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Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 19.07.2022

"lauffen will es wissen!": Vom Urknall bis zur Ewigkeit!

…es kehret alles wieder. Und was geschehen soll ist schon vollendet.

Lauffen will es wissen Banner

 

Logo der Firma Schunk Weiße Druckschrift auf blauem Grund

 

16 Jahren lang lief der von Wolfgang Hess initiierte, moderierte und von der Firma SCHUNK Spann- und Greiftechnik freundlich unterstützte Wissenschaftstalk „lauffen will es wissen!“ sehr erfolgreich. Insgesamt rund 8000 Besucher hatte die Reihe in diesen 16 Jahren. 

 

lauffen will es wissen! - Vaas

 

Das Kapitel „lauffen will es wissen!“ ist nach der letzten Ausfahrt der „Wissenschaftstour“, die Wolfgang Hess am 1. Oktober zur Heuneburg begleiten wird, abgeschlossen. Hier gibt es noch freie Plätze. Anmeldung unter www.lauffen.de/lwew-on-tour oder telefonisch 07133/106-18.

 

Zurück zum „lauffen will es wissen!“- Wissenschaftstalkabend, mit dem überaus passenden Vortrag „Vom Urknall bis zur Ewigkeit“, denn der Abend  war etwas ganz Besonderes. Nicht nur weil es ein Husarenritt durch Raum und Zeit war, der sich mit dem Beginn der Existenz von Allem und dessen spekulativem Ende beschäftigte, sondern auch weil Wolfgang Hess, im Beisein von Heinz-Dieter Schunk und den rund 130 anwesenden Gästen von Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger für sein Engagement um die wissenschaftliche Bildung und die Aufklärung der interessierten Bevölkerung mit einer Ehrenurkunde und der Medaille der Stadt Lauffen in Gold ausgezeichnet wurde.

 

lauffen will es wissen! - Vaas

Rüdiger Vaas, Wissenschaftsautor bei der Zeitschrift „Bild der Wissenschaft“, Autor von einem guten Dutzend populärwissenschaftlichen Bücher, Verfasser von rund 100 Titelgeschichten für „Bild der Wissenschaft“ und letzter Referent des langjährigen Wissenschaftstalks „lauffen will es wissen“, startete seinen Vortrag an diesem Abend mit „einer Unverschämtheit!“. Die „Unverschämtheit“ bestünde laut Vaas darin, dass er dem Publikum die Entstehung des Universums vor rund 13,8 Milliarden Jahren, inklusive seiner spekulativen Enden, in nur 60 Minuten verständlich vortragen wolle – letztlich waren es dann zwar 80 Minuten, aber 20 Minuten mehr fiel dann im Verhältnis zu den 13,8 Milliarden Jahren weder auf, noch ins Gewicht.

 

lauffen will es wissen! - Vaas

Vaas startete seinen unverschämt guten Vortrag „historisch“ Anfang der 1930er Jahre, und zwar bei einer mittels Postkarten geführten Diskussion über die Möglichkeit zur Berechnung des Universums zwischen dem deutschen Physiker Albert Einstein und dem niederländischen Astronom Willem de Sitter. Eines der Ergebnisse dieses Austausches war, laut Vaas, Einsteins allgemeine Relativitätstheorie, die aus insgesamt 16 mathematischen Gleichungen besteht und die das Universum beschreiben. Einstein veröffentlichte die Gleichungen und die interessierte Fachwelt versuchte sich an deren Lösung.

 

Das Problem war aber, dass man beim Lösen der Gleichungen auf unterschiedliche Ergebnisse kommen kann. Und genau das ist geschehen. Einstein der sich ein stabiles, statisches Weltmodell wünschte, löste die Gleichungen und war geschockt, da er das Ergebnis nicht verstand. Sein Modell des Universums, so Vaas, hatte im Ergebnis Masse aber keine Bewegung. De Sitter löste die Gleichungen und verstand sein Ergebnis auch nicht. Sein Modell hatte Bewegung, ohne Materie.

 

Erst der russische Physiker, Alexander Friedmann, der Einsteins Gleichungen unter der Annahme eines homogenen und isotropen Weltalls vereinfachte und löste, kam zu der Erkenntnis, dass das Universum ein dynamisches ist. Er prägte das kosmologische Prinzip und beschrieb die Expansion des Raumes. Das heutige Standardmodell der Kosmologie ist das Verdienst von Alexander Friedmann.

 

Von dieser, zugegeben nicht einfach zu verstehenden Beschreibung des Ist-Zustands des Universums, also dass es sich ausdehnt und daher einen Anfang haben muss, richtete Vaas den Blick des Publikums zuerst auf die Initialzündung des Universums, also den Urknall, vor ziemlich genau 13,8 Milliarden Jahren, und danach auf die spekulativen Enden, die unser Universum haben kann.

 

lauffen will es wissen! - Vaas

Was Vaas Vortrag wirklich großartig machte, waren seine Referenzen zu großen Philosophen und ihren Erkenntnissen. So schaffte er es René Descartes Erkenntnis, dass wir uns unserer selbst erst im Vollzug des Denkens bewusst werden können, auf eine höhere Ebene zu heben. Vaas formulierte dies so: „In uns, heute Abend, wird sich das Universum seiner selbst bewusst!“. Auch Gedanken des großen deutschen Idealisten Immanuel Kant lies Vaas in seinen Vortrag einfließen, als es um die Entstehung der Planeten und Sonnen nach dem Urknall ging. Kant ging nämlich davon aus, dass das Planetensystem aus einem Urnebel entstand, ganz ohne übernatürliche Kräfte.

 

Und schlussendlich, als Vaas das Universum mit einem Cappuccino verglichen und über die vielen, mehr oder weniger betrüblichen Enden der Menschheit, der Erde, der Sonne, von schwarzen Löchern (ja, auch schwarze Löcher zerstrahlen laut Vaas irgendwann), unserer Galaxie und des Universums referiert hat, kam er auf die in der Quantenphysik gängige, aber bizarre Theorie, der unendlich vielen Dimensionen zu sprechen.

 

Laut dieser Theorie, ist alles physikalisch Mögliche wirklich und alle endlichen Zustände sind unendlich oft realisiert. Das bedeutet, dass jeder von uns unendlich viele Doppelgänger hat, die alles was physikalisch möglich ist, in jeder möglichen Art und Weise realisiert haben - oder wie Rüdiger Vaas zum Abschluss mit einem Zitat aus Friedrich Hölderlins Empedokles sagte: „…es kehret alles wieder. Und was geschehen soll ist schon vollendet.“

 

Nach diesem großartigen Schlusswort des Referenten, stellte er sich den Fragen von Wolfgang Hess und dem Publikum und die Veranstaltungsreihe endete mit einem gemeinsamen Umtrunk in der Stadthalle. Alle Anwesenden waren dazu eingeladen, ihr Glas auf den Initiator und Moderator Wolfgang Hess und auf „lauffen will es wissen!“ zu erheben. Damit endete der Abend sowie der sehr erfolgreiche Wissenschaftstalk, der immer freundlich durch SCHUNK Spann- und Greiftechnik unterstützt wurde.

 

Aber ist das wirklich das Ende, des langjährigen Wissenschaftstalks? Vielleicht läuft „lauffen will es wissen!“ ja in einer anderen Dimension weiter und zwar, bis in die Ewigkeit!