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Aktuelle Nachrichten | Rutz, Gerald | 11.10.2022

lauffen will es wissen! auf den Spuren der Kelten

Wissenschaftstour auf die Schwäbische Alb

lauffen will es wissen! Wissenschaftstour HeuneburgVon Irland bis nach Norditalien, von Spanien bis fast nach Mittelasien – keltische Zeugnisse sind weit verbreitet und finden sich noch heute. Eine der ältesten keltischen Siedlungen Mitteleuropas, die Heuneburg, konnte jetzt mit dem „lauffen will es wissen!“ Organisator und Moderator, Wolfgang Hess im Rahmen der „lauffen will es wissen! Wissenschaftstour“ besucht werden. 

Pünktlich um 7:30 Uhr startete der Bus mit 32 kelteninteressierten Teilnehmern begleitet von dem Organisator und Initiator der Wissenschaftstour, Wolfgang Hess, an der Busbucht am Kiesplatz. Nach einer rund zweieinhalbstündigen Fahrt, während der Wolfgang Hess ausführlich die geologische Beschaffenheit der Schwäbischen Alb (schwarzer Jura 80m, brauner Jura 160m und weißer Jura 320m) sowie die Eckdaten der keltischen Siedlungsgeschichte in Europa erklärte, kamen die Wissenschaftstourer am Oberlauf der Donau in der Gemeinde Herbertingen, rund 14km entfernt von Sigmaringen, direkt vor den Toren der vermutlich ältesten literarisch erwähnten Keltensiedlung, der Heuneburg, an.

 

lauffen will es wissen! Wissenschaftstour Heuneburg

Vor der in Teilen rekonstruierten und befestigten Höhensiedlung wartete schon der Archäologe Hannes Wiedmann auf die Gruppe, um sie zu den interessantesten Plätzen des rund 100 Hektar großen Siedlungsareals zu führen. Seit der mittleren Bronzezeit (16. bis 13. vorchristliches Jahrhundert) ist die Besiedlung des Areals belegt. Der erste Anlaufpunkt der Gruppe waren zwei Hügelgräber unweit entfernt von der ursprünglich mit einer Lehmziegelmauer, mehreren Wällen und einem Graben befestigten Burgberg der Kernburg. Obwohl die beiden Hügelgräber schon bald nach ihrer Aufschüttung durch Grabräuber beraubt worden sind, haben die neuzeitlichen archäologischen Grabungen neben vereinzelten Fundstücken, vor allem erstaunliche Erkenntnisse erbracht. So handelt es sich bei den Hügelgräbern zum Beispiel nicht um Einzelgräber, sondern diese müssen vielmehr als Hügelfriedhöfe von Familien- oder Stammesverbänden verstanden werden. In fast allen Hügelgräbern gab es nämlich neben dem Hauptgrab in der zentralen Grabkammer, Nebenbestattungen die sich durch den ganzen Hügel zogen und nach und nach, durch Neuaufschüttungen, den Hügel wachsen ließen.

Bemerkenswert ist auch wer genau und wie in den Hügelgräbern bestattet wurde. So wird davon ausgegangen, dass in den zentralen Kammern Stammesfürsten liegen. Tatsächlich wurden aber auch Fürstinnen, mit Waffen und Prunkwägen als Beigaben, in den aufwändigen Hügelgräbern beigesetzt. Und zu ihren Füßen, manchmal auch Männer.

Da die Kelten, anders als Römer und Griechen, keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben, ist es schwer gesicherte Aussagen über Leben und Gesellschaft zu treffen. Dazu kommt noch, dass die Bezeichnung „Kelten“ eine Sammelbezeichnung für viele einzelne Stämme war, die eine gemeinsame Sprache sprachen und ähnliche Riten und Kulte pflegten aber keinen gemeinsamen Staat bildeten.  

Das Siedlungsgebiet der keltischen Stämme oder auch der Gallier, wie die Römer sie nannten, reichte vom Norden Spaniens, bis nach Böhmen, von Norditalien bis auf die britischen Inseln und die in Teilen rekonstruierte Heuneburg, auf der schwäbischen Alb, durch die Archäologe Hannes Wiedmann die Gruppe im Anschluss führte, war eines der Zentren keltischer Besiedlung.

Die Hochzeit der Befestigung und Besiedlung der Heuneburg lässt sich im Übergang von der Bronze zur Eisenzeit, also vom 8.-1. Jhd. v.Chr. verorten. Zu dieser Zeit entstand auch die, nördlich der Alpen einzigartige, luftgetrocknete Lehmziegelmauer, die die Kernburg umschloss. Die Mauer entstand nach mediterranem Vorbild. Das Know-How Lehmziegel herzustellen, oder vielleicht auch der Architekt der Mauer, wurde aus dem Mittelmeerraum importiert. Ebenso waren Wein, griechische und etruskische Bronzegefäße, Keramiken und Amphoren, Muscheln zur Schmuckherstellung und auch Bernstein, gängige Handelswaren. Die keltischen Stämme waren also gut vernetzt und pflegten sowohl mit ihren südlichen, als auch mit ihren nördlichen Nachbarn rege Handelsbeziehungen. Der Besuch der Heuneburg, der vielen Hügelgräber im Umkreis und auch des kleinen Museums im angrenzenden Herbertingen-Hundersingen, war im Rahmen der „lauffen will es wissen! Wissenschaftstour“, trotz starkem Wind und fast schon frostigen Temperaturen, ein außergewöhnliches Erlebnis, das allen Teilnehmenden neue Perspektiven auf das Leben der Kelten vermittelt hat.

Denn auch in der direkten Nachbarschaft von Lauffen am Neckar, im Kreis Ludwigsburg auf dem Hohenasperg, gab es eine große Keltensiedlung. Mindestens 10 Hügelgräber sind im Umkreis des Hohenaspergs bekannt. Das Hügelgrab in Hochdorf, ist sogar weltberühmt. Es war unberührt und reich geschmückt mit Grabbeigaben, als es geöffnet wurde. Wer sich also intensiver mit Kelten beschäftigen möchte, der darf sich einen Ausflug zur Heuneburg oder nach Hochdorf, nicht entgehen lassen.

 

 

Der langjährige Moderator der „lauffen will es wissen!“- Reihe, Wolfgang Hess, hat mit dieser Tour einen wirklich schönen und erkenntnisreichen Abschluss organisiert, der allen Teilnehmern sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird.