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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 17.07.2019 – 13.08.2019

Vom Sinn und Glück des Zusammenspiels

„Gloria!“- Kooperationskonzert in der Regiswindiskirche am 13. Juli

GLORIA!, Percussion-Ensemble, Chöre, Solisten (Foto: Leonore Welzin, 13.7.2019)

 

„Phantasie – größter Schatz des Menschen, unerschöpflicher Quell, aus dem wir alle uns erfrischen – sei mit uns, auch wenn Dich nur wenige achten und ehren“, notiert Franz Schubert in sein Tagebuch. Mit Schuberts „Messe in G-Dur“ (1815) endet das Konzert in der Regiswindiskirche. Das „Gloria“ dieser Messe ist titelgebend und das Lob kann durchaus auch programmatisch verstanden werden: „Gloria in excelsis Deo“, „Ehre sei Gott in der Höhe“ - ein Lob, das weitergereicht werden darf an fantasiebegabte, schöpferische Menschen, wie Schubert in besonderer Weise einer war. Erst 18 Jahre alt, als er die Messe verfasste, erlaubt er sich Textkürzungen und gibt damit seinen ganz persönlichen Vorbehalten gegenüber bestimmten zentralen christlichen Glaubenssätzen Ausdruck. Trompeten- und Pauken-Stimmen stellt er „ad libitum" ins freie Ermessen der Interpreten.

 

Vertont sind die feststehenden Texte der römisch-katholischen Eucharistie Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei.  Fantastisch ist die Ausdruckskraft, die Dirigent Andreas Willberg aus den vier Lauffener Klangkörpern holt, die diesen Abend gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Die liedhafte Melodik im Kyrie und im Credo bildet einen zauberhaften Kontrapunkt zu konzertanteren Passagen im Gloria oder im Sanctus. Das Benedictus gestaltet Schubert als inniges, lyrisches Terzett -  Schubert hören ist auch immer ein Schritt nach innen. Die Solisten Miriam Burkhardt (Sopran), Steffen Barkawitz (Tenor) und Karlheinz Gutensohn (Bass) setzen Glanzlichter auf das harmonische Ganze. Im himmlischen Hochgefühl pendelt das Werk zwischen G-Dur und D-Dur, bevor es im  im Agnus Dei nach e-Moll moduliert, um umso strahlender aus mollgetrübter Tiefe aufzuerstehen. Schubert, der das Werk vermutlich für eine kleinere Kirchengemeinde konzipiert hat, hätte über die opulente Klanglandschaft gestaunt, die sich hinter dem Altar aufbaut.

 

GLORIA!, Percussion-Ensemble, Chöre, Solisten (Foto: Leonore Welzin, 13.7.2019)

 

Das Konzert beginnt mit kleineren Ensembles: Vororchester, Unterstufenchor und  Percussion-AG des Hölderlin-Gymnasiums geben unter Leitung von Christiane Wasser und Andreas Götz Kostproben ihres Könnens – ein breites Spektrum von Händels „Menuett“ und einfachen Stücken von Sheila Nelson, über Songs aus „Mamma Mia“ der Pop-Band ABBA bis zu rhythmischen Stücken von Ulrich Moritz mit witzigen Titeln wie „Eiscafé“, „Pfandflasche“ und „Mensch, bin ich durstig!“ wird aufgefächert. Dass es sich langfristig zu üben lohnt zeigt das Orchester des Hölderlin-Gymnasiums unter Leitung von Manuel Sunten mit Antonio Vivaldis „Konzert für Oboe, Violine, Streicher und Basso continuo“  und Norman Leydens „Serenade für Streichorchester“. Nach der Pause erklingen zwei Vollprofis: Die Sopranistin Miriam Burkhardt und Christine Dobmeier an der Trompete wetteifern gleich im ersten Satz der virtuosen Bach-Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“. Der vokale Lobpreis mündet in einem strahlenden Finale des Chores, wieder angeführt von Gesang und Trompete. Die Probenarbeit und Einstudierung des Jugendsinfonieorchesters der Musikschule lag in den Händen von Hanna Böcking. Die Einstudierung mit den zwei Chören des Hölderlin-Gymnasiums übernahmen Manuel Sunten und Christiane Wasser, für den Chor der Regiswindiskirche Kantor Andreas Willberg, der den eindrucksvollen Chor auch zusammenführte und souverän dirigierte.

 

Lauffen profiliert sich als Musikstadt, in dem es seine musikalischen Talente, die in den verschiedenen Chören, Orchestern und Ensembles aktiv sind, bündelt. Eine prima Idee, zumal sie fortgeschrittenen Schülern die Möglichkeit gibt, Aufführungserfahrung gemeinsam mit Profis zu sammeln: Solistische Auftritte haben die Geigerinnen Sandra Belz,   Clara Rumpel und Pauline Langer, sowie die Oboisten Clara Buschmann und Luca Prechtel und am Cello Pauline Schimang. Das Publikum kann den Weg von den Anfängen bis zu anspruchsvollen Werken der Musikliteratur nachvollziehen. Ein beglückendes Musikerlebnis!

 

Text und Fotos: Leonore Welzin

 

Bildunterschriften:

Abb. 1: Schuberts G-Dur-Messe ist der Höhepunkt eines Kooperationsprojektes des Hölderlin-Gymnasiums, der Musikschule, des Chores der Regiswindiskirche, der evangelischen Kirchengemeinde und des städtischen Kulturprogramms „bühne frei…“.

Abb. 2: Zum Publikumsliebling avancierte das Percussion-Ensemble des Hölderlin-Gymnasiums unter der Leitung von Christian Wasser, das u. a. Abflussrohren erstaunliche Töne entlockte.

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