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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 21.06.2022

Berühmte Gärtnerinnen und ihre floralen Paradiese

Unterhaltsamer Vortrag von Ulrike Kieser-Hess im Rahmen der Kulturregion Heilbronner Land

Vortrag "Frauen mit dem grünen Daumen" von Ulrike Kieser-Hess (li.), rechts Bettina Keßler (Organisatorin der Veranstaltungsreihe "Kulturregion HeilbronnerLand" in Lauffen), im Vordergrund Rosenblüten

Abb. 1: Ulrike Kieser-Hess (li.) begeisterte in ihrem Vortrag als florale Reiseführerin durch die paradiesischen Gefilde berühmter Gärtnerinnen. Organisatorin Bettina Keßler (re.) lud zu den weiteren Kulturregion-Veranstaltungen in Lauffen a.N. herzlich ein.

 

Die Hitze flirrt über dem gepflegten Garten der Familie Wein in Lauffen am Neckar. Hier ist der Treffpunkt für Gartenfreundinnen und Literaturliebhaber zum Vortrag von Ulrike Kieser-Hess über die Gärten von Frauen mit dem sogenannten grünen Daumen. „Was gegen Regen hilft, hilft auch bei zu viel Sonne,“ meint Bärbel Wein, gemeinsam mit ihrem Mann und Vater hat sie die große Garage ausgeräumt, Stühle aufgestellt und Erfrischungen bereitgestellt. So fällt der Blick während des Vortrags durch das geöffnete Tor auf die Rosenbüsche und die Besucherinnen sitzen im Schatten. Humorvoll und mit viel Detailwissen führt Kieser-Hess durch die Geschichte und Geschichten berühmter Gärten in Europa und darüber hinaus. Ihr Blick in die antike Götterwelt zeigt das die Göttin Hera einen Garten besaß ebenso wie Aphrodite und Pomona.

 

König Nebukadnezar II ließ für seine Gattin die hängenden Gärten von Babylon erbauen, eines der sieben Weltwunder. Ein bestätigendes Lachen gibt es von den Zuhörerinnen, als Kieser-Hess ihnen unterstellt, dass wohl die wenigsten so spendable Ehemänner haben. Lange Jahrhunderte lag die Gartenkultur in Europa brach. Mit dem Aufstieg der Klöster im Mittelalter sind beeindruckende Kräuter- und Klostergärten entstanden, die zum Teil heute noch gepflegt werden.

 

In der Renaissance blühte die Gartenkunst wieder auf, Gärten werden zu einer Demonstration von Reichtum und Macht. So hat Katharina von Medici 900 Handwerker und Künstler beschäftigt, um einen prachtvollen Garten an ihrem Palast zu gestalten. Von Frankreich über Spanien geht die Gartenreise weiter nach Bayreuth, wo die preußische Prinzessin Wilhelmine von Bayreuth den Felsengarten Sanspareil anlegte. Bereits im 4. Jahrhundert wurde der Grundstein für die chinesische Gartenkultur gelegt, die im 25.000 Hektar großen Garten am Sommerpalast einen Höhepunkt fand. Dieser Einfluss aus China machte sich auch in Europa bemerkbar. So bekam Luise-Ulrike von Schweden von ihrem Ehemann zum 33 Geburtstag ein chinesisches Teehaus für ihre Gartenanlage. Das Land der Gärten ist England, hier haben unzählige Frauen mit grünen Daumen gewirkt. Gertrude Jekyll hat mehr als 350 Gartenanlagen geplant und verwirklicht. Sie wetterte gegen die akkuraten Beete und setzte Pflanzen wie in einem impressionistischen Gemälde.

 

Angela Schmid aus Aichtal ist von ihrer Freundin Barbara Schlag zum Vortag mitgenommen worden. Beide sind sie ausgewiesene Gartenfreundinnen und Schmid erzählt am Ende des Vortags von den chinesischen Gärten, die sie aus ihrer Heimat Singapur kennt. Ins Schwärmen kommen die Besucherinnen als sie den Garten der Familie Wein besichtigen können. Hier sind im Gewächshaus die ersten roten Tomaten zu sehen. Hochbeete sind bepflanzt, Salat und Gemüse stehen in Reihen und Erfreuen das Gärtnerherz. Im Gegensatz zum Vortrag, hat hier jedoch Fritz Wein die grünen Daumen. „Mein Vater ist der Gärtner, neben dem Gemüse gilt seine Liebe vor allem der Tagetes auch Studentenblume genannt,“ erzählt Bärbel Wein. Für Hilde Nesper ist Gartenarbeit etwas für die Seele. Sie pflegt einen umfangreichen Topfgarten mit Palmen, Oliven, Oleander und kann genau erklären, wie Wollziest aussieht, als Kieser- Hess danach frägt.

 

Text und Foto: Heidi Brose-Schilling