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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 13.05.2024

Eine Freundschaft die von Herzen kommt

50 Jahre Partnerschaft mit La Ferté-Bernard wurden mit einem gemeinsamen Wochenende gefeiert

Logo gold: 50 Jahre Städtepartnerschaft Lauffen a.N. - La Ferté-Bernard

Ein Stück Schafskäse aus der Auvergne, ein frisch gebackenes Baguette, dazu ein Gläschen Crémant und zum Nachtisch bunte Macarons. Wo wir sind? Nicht in Frankreich, nicht an der Seine, sondern auf dem Postplatz in Lauffen am Neckar, beim französischen Markt. Eine kulinarische Ergänzung. Zum Festwochenende „50 Jahre Städtepartnerschaft mit La Ferté-Bernard" wurden hier an viele Ständen drei Tage lang französische Leckereien angeboten. Die Besuchermeinung: klein aber fein und eine echte Belebung des Platzes.

Mit einem Glas Sekt wurden die französischen Gäste im Klosterhof herzlich begrüßt. (Foto: Bettina Keßler)
Mit einem Glas Sekt wurden die französischen Gäste im Klosterhof herzlich begrüßt. (Foto: Bettina Keßler)

Willkommen im Klosterhof

Am Donnerstag reisten die 68 Gäste aus Frankreich mit Doppeldeckerbus an, immerhin lagen 762 Kilometer hinter ihnen. Dafür erwartete sie ein super reichhaltiges, interessantes, abwechslungsreiches Programm unter dem Motto „Freundschaft, die von Herzen kommt“ wie es die Organisatorin Bettina Keßler formulierte. Bürgermeisterin Sarina Pfründer hatte gleich noch eine Ergänzung: „Eine Freundschaft ist wie ein Baum, es zählt nicht, wie hoch er ist, sondern wie tief seine Wurzeln sind“.

Zwei Städte feiern goldene Hochzeit

An allen Tagen merkte man, wie tief die Verwurzelung dieser Städtepartnerschaft ist, die am 13. April1974 ins Leben gerufen wurde und jetzt „goldene Hochzeit“ feiert. Ob in den Gastfamilien, bei Stadtführungen, Betriebsbesichtigungen, Führung im Hölderlinhaus, oder Festabend und Festkonzert, die Begegnungen waren allen wichtig, und die Rathauschefin fasste es so zusammen: „Was uns verbindet, ist eine gemeinsame Geschichte, die es zu erzählen lohnt. Vor uns liegt eine Zukunft, die noch völlig unbeschrieben, aber voller Möglichkeiten ist und für die ein guter Nährboden geschaffen wurde“.

Erfolgsgeschichte Schüleraustausch

Ein Boden, der wohl voller Nährstoffe ist, denn auch der etwas ins Straucheln geratene Schüleraustausch soll wieder kräftig belebt werden: Neugierig und offen sollen auch die aktuellen Schüler in diese Partnerschaft starten. Dass aus diesem Schüleraustausch bis heute bestehende Freundschaften entstanden sind, ist immer wieder Erfolgsgeschichte. Brigitte Seiler erwartet ihre Freundin auch nach fast 50 Jahren immer noch mit gefühlvoller Vorfreude.

Großes Interesse für die Betriebsführungen: Automation bei Schunk, Aromen bei Vögele, Orgeln bei Rensch und Extruder bei Extricom beeindruckten französische wie deutsche Teilnehmende. (Foto Schunk: Bettina Keßler)
Großes Interesse für die Betriebsführungen: Automation bei Schunk, Aromen bei Vögele, Orgeln bei Rensch und Extruder bei Extricom beeindruckten französische wie deutsche Teilnehmende. (Foto Schunk: Bettina Keßler)

Spannende Betriebsführungen

Am ersten Vormittag des Besuches standen Betriebsführungen auf dem Programm. Die Firmen Schunk SE&Co.KG, Vögele Ingredients, Orgelbau Rensch und Extricom Extrusion ließen sich über die Schulter schauen und Stadtrat Dr. Michael Mühlschlegel, der eine Gruppe begleitete resümierte, „die französischen Gäste waren beeindruckt von der Vielfalt der Fertigungen hier in Lauffen“.

Die Stadtführungen am Samstag Vormittag waren nicht nur von der Sonne beschienen, sondern brachten hautnah den Gästen die Lauffener Sehenswürdigkeiten nahe. Stadtführer Hartmut Wilhelm betonte: „Besonders wertvoll waren die Gespräche, die zum besseren Kennenlernen beitrugen.“

Die Gäste entdeckten das Hölderlinhaus bei Führungen durch die Dauer- und die Sonderausstellung zu Hölderlins Neuwortschöpfungen mit Museumsleiterin Eva Ehrenfeld. (Foto: Ulrike Kieser-Hess)
Die Gäste entdeckten das Hölderlinhaus bei Führungen durch die Dauer- und die Sonderausstellung zu Hölderlins Neuwortschöpfungen mit Museumsleiterin Eva Ehrenfeld. (Foto: Ulrike Kieser-Hess)

Besuch im Hölderlinhaus und Hofcafé

Im Hölderlinhaus begrüßten am Nachmittag die Leiterin Eva Ehrenfeld und der geschäftsführende Vizepräsident der Hölderlin-Gesellschaft und Vorsitzender des Hölderlin-Freundeskreises Klaus-Peter Waldenberger die Gäste. Das Haus, der Dichter und seine Wortschöpfungen standen auf dem Besichtigungsplan und Klaus-Peter Waldenberger zitierte Hölderlin „was bleibet aber, stiften die Dichter“ und hat es wenig im Zeichen der Partnerschaft umgewandelt: „die Dichter und die Freundschaft der Städte La Férte-Bernard und Lauffen.“ Bei Kaffee und Kuchen im Hofcafé-Hölderlinhaus, mit einem Stück Hölderlin-Torte, klang der Nachmittag lecker und gesellig aus.

Die französische Delegation mit Bürgermeister Didier Reveau (5.v.r.) und Vorsitzender Francoise Pellodi (5.v.l.) bedankte sich bei Bürgermeisterin Sarina Pfründer (7. v.r.), den Komiteevorsitzenden und den Organisatorinnen der Stadt Lauffen. (Foto: Stadt Lauffen)
Die französische Delegation mit Bürgermeister Didier Reveau (5.v.r.) und Vorsitzender Francoise Pellodi (5.v.l.) bedankte sich bei Bürgermeisterin Sarina Pfründer (7. v.r.), den Komiteevorsitzenden und den Organisatorinnen der Stadt Lauffen. (Foto: Stadt Lauffen)

Festabend in der Stadthalle

Abends wurde es dann feierlich, es war zum Festabend geladen. Umrahmt von drei Ensembles der Musikschule Lauffen und Umgebung und der Berliner Gruppe „GlasBlasSing“, die faszinierend ihre Instrumente, nämlich Flaschen zum Klingen brachte, wurde von allen Rednerinnen und Rednern die starke verbindende Freundschaft gelobt und ein starkes gemeinsames Europa beschworen. Moderiert wurde der Abend souverän zweisprachig und gewohnt launig von Holger Gayer.

Partnerschaftskomitees mit großen Verdiensten

Großen Dank richtete Sarina Pfründer an beide Partnerschaftskomitees „hier schlägt das Herz der Verbindung, hier pulsiert die Kraft, hier werden Begegnungen und Aktionen immer wieder aufs Neue ins Leben gerufen“. Für ihren jahrelangen Einsatz für die Partnerschaft, voller ehrenamtlicher Arbeit, für ihre Energie, ihr Engagement, ihre Ausdauer und Leidenschaft erhielt die Vize des Komitees, Bärbel Wein, die goldene Medaille der Stadt Lauffen am Neckar. Schon ein wenig gerührt: "Die Städtepartnerschaft liegt mir sehr am Herzen“. Die Vorsitzende aus Frankreich, Francoise Pellodi, freute sich für ihre deutsche Kollegin und betonte: "Ich bin überzeugt, dass weitere Höhepunkte und Termine in den Bereichen Schule, Kultur, Sport und Jugend, dies schöne Abenteuer zwischen unseren beiden Gemeinden verlängern werden.“

Bärbel Wein (li.) erhielt von Bürgermeisterin Pfründer (re.) für ihre Verdienste um die Stadt Lauffen a.N. in vielen Ehrenämtern, darunter den zweiten Vorsitz des Partnerschaftskomitees und den ersten Vorsitz des Eine-Welt-Laden e.V., die Bürgermedaille in Gold. (Foto: Günter Gaida)
Bärbel Wein (li.) erhielt von Bürgermeisterin Pfründer (re.) für ihre Verdienste um die Stadt Lauffen a.N. in vielen Ehrenämtern, darunter den zweiten Vorsitz des Partnerschaftskomitees und den ersten Vorsitz des Eine-Welt-Laden e.V., die Bürgermedaille in Gold. (Foto: Günter Gaida)

Dazu beigetragen hat, so die Bürgermeisterin besonders auch Bettina Keßler, die Leiterin des Lauffener Bürgerbüros, die sich seit Jahren von Amtsseite um die Jumelage kümmert und das, vor so einem Wochenende, natürlich mit voller Power.

All denen, die mit kleinem oder großem Einsatz diese Städtepartnerschaft belebt haben und beleben dankte Sarina Pfründer: „Das hat Signalwirkung für Europa.“ Denn: „Eine Freundschaft, in der sich Menschen begegnen, ist der einzige und tragfähige Weg zu einer echten europäischen Gemeinschaft“. La Ferté-Bernards Bürgermeister Didier Reveau betonte: „Mit ihrer Unterschrift unter der Partnerschaftscharta haben unsere Vorgänger, Frau Bürgermeisterin, mit Gewinn einen „Freundschaftspakt“ geschlossen. In gegenseitiger Verantwortung verpflichtet uns die Städtepartnerschaft, denn sie ist Teil eines gemeinsamen Schicksals, das von überzeugten Europäern gewollt wird. Diese Vertrauensbeziehung niemals aufzugeben, ist die wichtigste Lehre, die wir am heutigen Tag daraus ziehen sollen“.

Für Frank Walter, den neuen Vorsitzenden des Lauffener Partnerschaftskomitees gilt es vor allem all jenen zu danken, die sich für die Idee und die Realität der Partnerschaft eingesetzt haben. „All die Energie und Empathie, die ich bisher erleben durfte, zeigt mir, wie lebendig die Partnerschaft ist, einfach großartig“.

Für ihn ist "die Leistung und der Erfolg, den wir heute feiern, auch Verpflichtung für uns alle, dieses wertvolle Gut in die Zukunft zu tragen“.

Ausstellungseröffnung des Heimatvereins "Muggafugg, Haschee und Bomboole - Französische Wörter im Schwäbischen" im Lamparter-Park am 11.5.24
Muggafugg, Haschee und Bomboole: Der Heimatvereinsvorsitzender Jürgen Reiner eröffnete die großteils von Eva Ehrenfeld zusammengestellte Ausstellung. (Foto: Frank Walter)

Ausstellungseröffnung "Französische Wörter im Schwäbischen"

Am Samstag wurde im Rahmen der Feiern die Freiluftausstellung des Heimatvereins „Muggafugg, Haschee und Bombole - Französische Wörter im Schwäbischen“ im Lampater Park eröffnet. Eva Ehrenfeld hat die informativen und unterhaltsamen Texte verfasst, die auf den aufgestellten Texttafeln zu entdecken sind. Erstaunlich ist, wie viele Worte aus dem Französischen „schwäbisiert“ wurden. Und auf dem anderen Weg hat es die Brezel nach Frankreich geschafft.

Die Chöre, das Publikum und Bläser der Stadtkapelle feierten zum Abschluss des Konzerts unter der Leitung von Tabea Raidt das Jubiläum musikalisch mit der Hymne der EU, Beethovens "Ode an die Freude". (Foto: Stadt Lauffen)
Die Chöre, das Publikum und Bläser der Stadtkapelle feierten zum Abschluss des Konzerts unter der Leitung von Tabea Raidt das Jubiläum musikalisch mit der Hymne der EU, Beethovens "Ode an die Freude". (Foto: Stadt Lauffen)

Festkonzert mit ganz viel Herz

Einen klangvollen Abend gestalteten drei Chöre und zwei Orchester am Samstag Abend. Stadtkapelle und Akkodeonorchester, die Chöre Urbanus, Young Corporation und JUST4You boten ein total beeindruckendes Konzert, voller Können, Freude an der Musik, Vielfalt und Gefühl.

„Freundschaft die von Herzen kommt“ braucht, so Moderatorin Bettina Keßler, „Melodien die zu Herzen gehen“. Und das gelang perfekt.

Voller Begeisterung und hörbar inspiriert von der gehörten Musik, sangen am Ende alle Beteiligten und Besucher gemeinsam, berührend und von Herzen kommend Beethovens „Ode an die Freude“.

Pierre Coutable, ehemaliger Bürgermeister von La Ferté-Bernard und Förderer der Partnerschaft formulierte es in seiner Grußbotschaft zum 50jährigen Jubiläum mit den Worten des Dichters Paul Valérys so: „Lasst uns das Beste, was wir haben, zusammenlegen und uns durch unsere Unterschiede bereichern.“

Festgottesdienst und Kirchencafé

Den nachdenklichen, berührenden Abschluss des Wochenendes machte Pfarrer i.R. Gerhard Kuppler. Der deutsch-französische Gottesdienst, im Wechsel vorgetragen von Kuppler und Stadtrat Ralf Roschlau, wurde festlich vom Chor der Regiswindiskirche und von Kantor Manuel Mader an der Orgel mit wundervollen, in großen Teilen französischen Melodien umrahmt. Kernstück war aber die eindrückliche und sehr persönliche Ansprache von Gerhard Kuppler zum Thema "Versöhnung" , die nicht wenige Besucher zutiefst berührte. Die Ansprache finden Sie in voller Länge im Anschluss an diesen Bericht. Gäste und Gastgeber genossen die letzten gemeinsamen Stunden mit einem Kirchencafé im sonnigen Kirchgarten mit Blick auf das malerische Rathaus, auf dem neben der Europafahne die Tricolore flatterte.

Text: Ulrike Kieser-Hess, außer Abschnitt Festgottesdienst: Bettina Keßler

Stadtverwaltung und Partnerschaftskomitee bedanken sich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern des Festwochenendes:

Sachspenden:

  • Lauffener Weingärtner
  • Weingut Eberbach-Schäfer
  • Weingut Seybold
  • Weingut Hirth
  • Weingut Schaaf
  • Weingut Hirschmüller

Betriebsführungen:

  • Lauffener Gewerbeverein
  • Orgelbau Rensch GmbH & Co. KG
  • Firma Schunk SE & Co. KG
  • Firma Vögele Ingredients
  • Firma Extricom Extrusion GmbH

Dekoration:

  • Pflanzen Mauk

Übersetzungen:

  • Fabienne Denouault
  • Alice Frapsauce
  • Bénédicte King
  • Falko Schmidt-Viereck
  • Ralf Roschlau
  • Holger Gayer

Gestaltungsarbeiten:

  • Firma face design

sowie bei

  • Hölderlin-Freundeskreis e.V. (Ausstellung "Hölderlins Neuwortschöpfungen im Französischen" im Hölderlinhaus)
  • Heimatverein Lauffen a.N. e.V. (Ausstellung "Französische Worte im Schwäbischen")
  • Gästeführer Hartmut Wilhelm, Jürgen Reiner, Andrea Täschner mit Dorothee Friedel (Übersetzung)
  • Evang. Kirchengemeinde Lauffen a.N. - Neckarwestheim (dt.-frz. Gottesdienst) mit dem Team des Kirchencafés
  • ehrenamtliche Fotografen wie Günter Gaida, Elisa Kullick u.a.
  • Teams des Hölderlinhauses und Hofcafés sowie der Bürgerstube / Lika
  • städtischer Bauhof, Hausmeister Stadthalle und Mensa, Mensaleitung Adelheid Schwamm, Ordnungsamt

sowie allen Gastgeberinnen und Gastgebern und allen Helferinnen und Helfern, ohne die das Wochenende nicht möglich gewesen wäre!

Das Festwochenende wird gefördert von der Baden-Württemberg Stiftung im Programm "Nouveaux horizons" - vielen Dank dafür!

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