Aktuelle Nachrichten | Gibler, Sabine, giblers@lauffen-a-n.de | 09.03.2026
Die Geschichte des Dekanats Lauffen am Neckar
Im Februar 2026 ging die letzte Dekanin des Kirchenbezirks Brackenheim, Dr. Brigitte Müller, in den Ruhestand. Somit ist nach 479 Jahren das letzte Kapitel Brackenheimer Dekanatsgeschichte abgeschlossen. Zu dieser gehörten auch einige Jahre Lauffener Dekanat.

Hoch über dem Neckar erhebt sich die altehrwürdige Regiswindiskirche. Der heutige Bau entstand mit dem Grundstein 1227 und zeigt viele frühere Baustile. Die Regiswindiskirche ist das spirituelle Herz von Lauffen am Neckar – und war lange Zeit auch ein Zentrum kirchlicher Leitung in der Region.
Die Geschichte ist tief verwoben mit der Reformation und der Entwicklung der evangelischen Kirche in Württemberg. Bereits im 16. Jahrhundert, nachdem Herzog Ulrich nach der Schlacht bei Lauffen 1534 die Reformation eingeführt hatte, wurde die evangelische Kirche neu strukturiert.
In dieser Zeit bildete sich ein kirchliches Amt, das als „Spezialsuperintendenz“ und später als Dekanatamt bezeichnet wurde. Solche Dekanate dienten dazu, die kirchlichen Gemeinden in einer Region zu verbinden und gemeinsam zu leiten – insbesondere, da die evangelische Landeskirche nach der Reformation in Generalate (heutige Prälaturen) und Spezialsuperintendenzen eingeteilt war.
Lauffen gehörte zum Generalat Adelberg und das Lauffener Pfarramt war mehrmals ein Zentrum der Regionalleitung, die zwischen Lauffen, Brackenheim und Güglingen wechselte. Zwischen 1551 und 1564, erneut von 1669 bis 1731 und später noch von 1747 bis 1812 war Lauffen Sitz des Dekans (bzw. des „Spezialsuperintendenten“) für umliegende Gemeinden. In diesen Phasen hatte der Stadtpfarrer von Lauffen, damals Special genannt, zugleich die Verantwortung für das Dekanat inne.
Nach 1812 / 1813 wurde das Dekanat in Lauffen aufgelöst. Die kirchlichen Strukturen wurden neu geordnet, und Lauffen wurde Teil des Dekanats Besigheim, das die evangelischen Gemeinden in dieser Region bis heute betreut. Der Kirchenbezirk Besigheim wird aktuell von Dekanin Susanne Digel geleitet.
Ein zentrales Gebäude dieser kirchlichen Geschichte Lauffens war das sogenannte „Specialat“ – der Wohn- und Amtssitz der kirchlichen Leitung auf dem Kirchberg. Dieses Gebäude war ein Ort, von dem aus seelsorgerliche und organisatorische Aufgaben in Lauffen und im Kirchenbezirk erfüllt wurden. Heute befindet sich das ehemalige „Specialat“ in der Kirchbergstraße 18 und ist sowohl die Wohnung für den geschäftsführenden Pfarrer und seine Familie, als auch Sitz des Pfarramts 1 und des Gemeindebüros.
Obwohl ohne Dekanssitz blieb Lauffen kirchlich weiterhin bedeutend: Die Regiswindiskirche steht seit frühester Zeit als Pfarrkirche im Zentrum des kirchlichen Lebens, und die Gemeinde war die erste evangelische Gemeinde im ehemaligen Herzogtum Württemberg.
In der Sakristei der Regiswindiskirche und auf einer antiken Tafel auf dem Dachboden der Kirche sind chronologisch alle Namen der Pfarrpersonen von Lauffen seit der Reformation aufgelistet. Damals waren noch alle Pfarrämter und Dekanatsämter ausschließlich männlich besetzt, denn eine Dekanin oder eine Frau im Pfarramt wurde in der evangelischen Landeskirche Württembergs erst durch einen Synodalbeschluss 1968 möglich. Die erste Frau in einem Lauffener Pfarramt war Pfarrerin Irmgard Hahn von 1989 bis 1999.
2021 hat sich die evangelische Kirchengemeinde Lauffen mit der Neckarwestheimer Kirchengemeinde zusammengeschlossen, aber ihr kirchliches Erbe lebt weiter, sowohl in den historischen Gebäuden als auch in der fortdauernden Gemeindearbeit – ein lebendiges Zeugnis einer langen religiösen Tradition hoch über dem Neckar.
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