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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 24.03.2026

Klangwelten, die lange im Verborgenen lagen

Dirigentin Isabel González Villar rückt Komponistinnen ins Rampenlicht – und führt die Stadtkapelle Lauffen zu einem begeisternden Abend voller Entdeckungen

Eine schöne Idee: Die Komponistinnen waren beim mitreißenden Konzert der Stadtkapelle auch bildlich präsent.
Eine schöne Idee: Die Komponistinnen waren beim Konzert der Stadtkapelle auch bildlich präsent. Isabel Gonzáles Villar überzeugte das Publikum mit ihrer fachkundigen Auswahl der Stücke und ihrer inspirierten musikalischen Leitung.

Mit einem ebenso klugen wie überfälligen Programm setzte die Stadtkapelle Lauffen a.N. bei ihrem Frühjahrskonzert am 21. März 2026 ein starkes Zeichen: Unter dem Motto „Endlich gehört: Komponistinnen im Fokus“ stellte Dirigentin Isabel González Villar im Themenjahr "Starke Frauen" bewusst Werke von Musikschaffenden ins Zentrum – und traf damit nicht nur einen Nerv, sondern auch ins Herz des Publikums.

Für González Villar ist das Thema weit mehr als ein Programmtitel. In ihrer Masterarbeit widmete sie sich zeitgenössischen Komponistinnen weltweit und baute über Jahre eine beeindruckende Datenbank mit mehr als 1000 Werken auf. Aus diesem Fundus stellte sie ein ebenso abwechslungsreiches wie anspruchsvolles Konzert zusammen – ganz im Sinne ihres eigenen Anspruchs, dass ein Orchester mit jedem Auftritt wachsen müsse. Dass dies gelang, bewies die Stadtkapelle am Samstagabend eindrucksvoll: Sie präsentierte sich in Hochform und mit spürbarer Spielfreude.

Der Auftakt mit der „Steampunk Overture“ von Shirley Mier gelang gut gelaunt und energiegeladen: Markantes Schlagwerk ließ „Fabriktöne“ entstehen, die sich mit eingängigen Melodien verbanden. Einen reizvollen Kontrast boten die „Terpsichorean Dances“ (arr. Jodie Blackshaw), deren mittelalterliche Klangwelt durch fanfarenartige Trompeten und feine Oboensoli lebendig wurde.
Atmosphärisch dicht geriet „Sunchaser“ von Carol Brittin Chambers: Zarte Glockenspielklänge ließen einen musikalischen Sonnenaufgang entstehen, der sich allmählich zu strahlender Wärme entfaltete. Mit „The Ocean Beast“ von Pimpanit Karoonyavanich tauchte das Publikum tief hinab in eine klanggewaltige Unterwasserwelt – mit dramatischen Steigerungen, modernen Harmonien und überraschenden Effekten wie Wassergeblubber: nicht nur Hanz Zimmer und John Williams können Filmmusik! Den ersten Teil beschloss das fein nuancierte „The Nature of Trees“ von Cait Nishimura.

Nach der Pause setzte „Ladies first“ der Niederländerin Suzanne Welters ein programmatisches Ausrufezeichen: kraftvoll, selbstbewusst und als Hommage an Frauen in der Musik. Es folgte die vielschichtige „Cyprian Suite“ der US-Amerikanerin Carol Barnett, die mit orientalischen Farben, traditionell-volksmusikalischen Weisen, tänzerischer Leichtigkeit und gleichzeitig komplexen Harmonien und düsteren Momenten eine faszinierende Klangreise in den Mittelmeerraum bot.

Mit „Town Band“ von Erika Svanoe verabschiedete sich das Orchester augenzwinkernd – und feierte nochmals die Blasmusik als Gemeinschaftserlebnis: Fröhlich, laut und launig, als marschierten die Musikerinnen und Musiker in Paradeuniform auf einer US-amerikanischen Highstreet. Das begeisterte Publikum ließ das Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne – und erhielt sie mit einem spanischen Paso Doble, der zugleich eine persönliche Erinnerung der Dirigentin trug. Ein rundum gelungener Konzertabend voller Entdeckungen, der gezeigt hat, wie viel es noch zu hören gibt – und dem man ein noch größeres Publikum gewünscht hätte.

Text und Foto: Bettina Keßler