Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 29.06.2026

Von Bayern bis Irland - eine Sommernacht voller Folk

Lauffener Folknacht überzeugt mit Weltmusik, Irish Folk und besonderer Atmosphäre

Die Lauffener Folknacht 2026 hat der extremen Hitzewelle getrotzt – und wurde gerade deshalb zu einem besonderen Erlebnis. Dank eines durchdachten Hitzeschutzkonzepts begann die Veranstaltung am vergangenen Freitagabend im angenehm temperierten Klosterhofgebäude, bevor das Programm gegen 21 Uhr auf die Open-Air-Bühne am Zaberufer wechselte. Kostenloses Trinkwasser und der Wechsel an den jeweils kühlsten Veranstaltungsort sorgten dafür, dass der Abend erfreulicherweise ohne gesundheitliche Zwischenfälle verlief.

Bürgermeisterin Sarina Pfründer eröffnete die Folknacht und dankte besonders der Kulturstiftung der Kreissparkasse Heilbronn, vertreten durch die Leiterin der Regionaldirektion Jasmin Brandstätter. Die Förderung der Kulturstiftung macht es möglich, die Veranstaltung trotz des höheren technischen Aufwands als sommerliches Open-Air-Erlebnis auszurichten – zur Freude des treuen Folknacht-Publikums.

Von Bayern über Schweden bis New York State

Den ersten Konzertteil gestaltete das Welt-Folk-Duo „Tante Friedl“. Die Bayerin Magdalena Kriss (Akkordeon) und der US-Amerikaner Dan Wall (Banjo und Fiddle) nahmen ihr Publikum mit auf eine musikalische Reise durch zahlreiche Länder und Kulturen. Der Auftakt gehörte einer Eigenkomposition Walls über die Occupy-Wall-Street-Bewegung und die Folgen der Finanzkrise 2008.

Warum ausgerechnet "Tante Friedl"?

Magdalena Kriss und Dan Wall lernten sich bei internationalen Folkmusiktreffen in Schweden und Slowenien kennen. Ihren ungewöhnlichen Bandnamen verdanken sie einem bemerkenswerten Zufall: Beide haben jeweils eine Tante Friedl, die ihre Jugend am Untersberg an der Grenze zwischen Bayern und Österreich verbracht hat: die eine auf der österreichischen, die andere auf der bayrischen Seite.

Das Programm spannte einen weiten Bogen – vom rhythmisch anspruchsvollen bayrischen Zwiefachen über bulgarische Ernte- und Liebeslieder bis hin zu einem dramatischen serbischen Rachelied. Danach folgten mit dem romantischen „Fisherman's Blues“ ruhigere Töne. Dabei entdeckte das Publikum, dass das ungewöhnliche Duo Akkordeon und Banjo überraschend harmonische Partner sind und ganz eigene Interpretationen erlauben, wie z. B. die wunderschöne „Tante Friedl“-Versionen der Klassiker „Foggy Dew“ oder des ukrainischen Volkslieds, das viele eher als Weihnachtslied „Carol of the bells“, z. B. aus dem Kultfilm „Kevin - allein zu Haus“, kennen.

Besonders beeindruckte das harmonische Zusammenspiel von Walls warmem Bass-Bariton und dem klaren Mezzosopran von Magdalena Kriss. Ob norwegisches Lied, Schlaflied aus den Appalachen oder Pete Seegers „Little Boxes“ – das Publikum folgte den ganz eigenständigen Interpretationen der beiden herausragenden Musiker aufmerksam und dankte für einen grandiosen Auftritt am Ende mit stehenden Ovationen.

Irish Dance Gruppe Éirasteps

Während der Umbaupause lockte die Irish-Dance-Formation Éirasteps aus Heilbronn die Besucher ins inzwischen angenehmere Freigelände. Mit zwei temperamentvollen Tänzen zu traditionellen Reels begeisterten die Tänzerinnen trotz der hochsommerlichen Temperaturen.

Traditioneller Zauber des Irish Folk

Anschließend übernahm die eigens aus Irland angereiste Gatehouse Irish Group die Open-Air-Bühne. Virtuose Instrumentalstücke wechselten sich mit eindrucksvoll erzählten Balladen ab. Sängerin Rachel Garvey überzeugte mit ihrer klaren Sopranstimme sowohl in der Auswanderergeschichte „The Plough Boy“ als auch in der bewegenden Ballade „The Death of Queen Jane“. Flotte Reels und Jigs sorgten immer wieder für mitreißende Kontraste, bevor Garvey mit dem gälischen „Casadh an t-Sugáin“ die spielerische Seite der irischen Folktradition aufleben ließ. Mit großer Spielfreude und musikalischer Klasse begeisterte die Band ihr Publikum bis zum Schluss und entließ die Besucher erst spät in die noch immer warme Sommernacht am Zaberufer.

Text: Bettina Keßler