Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 20.07.2026

Ein musikalisches Waldbaden für die Seele

Musik und Poesie von Komponistinnen und Dichterinnen begeistern das Publikum in der Regiswindiskirche

Logo "bühne frei..." - Das Kulturprogramm der Stadt Lauffen am Neckar

Erfrischend wie ein Waldspaziergang an einem schönen Sommertag war die Konzert-Lesung, die ein begeistertes Publikum am vergangenen Sonntagabend in der Lauffener Regiswindiskirche erleben durfte. Unter dem Titel „Hörst Du nicht die Bäume rauschen?“ gestalteten der Chor der Regiswindiskirche, das Heidelberger Vokalensemble Novere und ein Streichquartett unter der Leitung von Kirchenmusikerin Katharina Linn eine Konzert-Lesung, die Musik und Poesie auf eindrucksvolle Weise miteinander verband.

Chor singt in einer Kirche. Menschen sitzen und stehen während der Aufführung zuhörend da. Hier zu sehen: Chor der Regiswindiskirche (sitzend im Hintergrund), Vokalensemble Novere (im Vordergrund, rot gekleidet), Streicherinnen. - Aufnahme aus dem Konzert "Hörst Du nicht die Bäume rauschen?" vom 19.7.2026 unter der Leitung von Katharina Linn.
Musikalisch-lyrisches Waldbaden für Sinne und Seele: So wirkte die Konzert-Lesung "Hörst Du nicht die Bäume rauschen?" unter der inspirierenden Leitung von Kirchenmusikerin Katharina Linn.

Bereits in ihrer Begrüßung umriss Linn die Idee des Abends. Die ausgewählten Werke sollten Raum für einen Musik und Literatur schaffen und dabei Themen wie Natur, Liebe, Sehnsucht, Glaube, Hoffnung, Trost und Neubeginn aufgreifen. Zugleich rückte das Programm bewusst den Blick von Komponistinnen und Dichterinnen in den Mittelpunkt – Frauen, die ihre Stimmen oft unter schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen erhoben. Das Konzert fand in der Reihe "Starke Frauen" des Lauffener Kulturprogramms "bühne frei..." sowie im Rahmen der Kulturregion HeilbronnerLand statt.

Harmonie von Musik und Text

Der Abend begann mit überraschenden, verlockend-sanften Klängen aus dem Chorraum. Wie ein himmlisches Blätterrauschen erhoben sich die hellen Stimmen des Vokalensembles Novere, das mit zehn Frauenstimmen vom hohen Sopran bis zum tiefen Alt eine beeindruckende wohlklingende Bandbreite unter Beweis stellte. Daran schloss sich ein Gedicht der Dichterin Mascha Kaléko (1907-1975) an, das diesen Ton perfekt aufgriff „Wo sich berühren Raum und Zeit am Kreuzpunkt der Unendlichkeit (…) umrauscht uns diese Welt, die wir nur träumen“. Gefühlvoll und zart und doch gleichzeitig intensiv und eindringlich wurden diese Texte von Dorothee Krähmer vorgetragen, die nicht nur für den einfühlsamen Vortrag, sondern auch für die zielsichere Text-Auswahl der Konzert-Lesung verantwortlich zeichnet. Dass hier eine Person am Werk war, die genau weiß, was sie tut, merkte das Publikum schnell und überließ sich vertrauensvoll ihrer Führung.

Erfrischend glücklich

Musikalisch ging es weiter mit dem ersten Einsatz des Chors der Regiswindiskirche, der sich bestens aufgelegt präsentierte. Das Stück „Lockung“ der Stuttgarter Komponistin Fanny Hensel (1805 - 1847) setzte mit seinem romantischen Ton nicht nur die Stimmung des Konzertabends, sondern war auch mit seinem Text titelgebend für den Abend. Einen reizvollen Kontrast bildete Kalékos Gedicht „Sozusagen grundlos vergnügt“, das mit seiner leisen Lebensfreude den Blick auf die kleinen Glücksmomente des Alltags lenkte - und das angesichts des grassierenden Pessimismus in unserem Land wie eine poetische Frischzellenkur wirkte.

Der darauffolgende Song der Komponistin Emily B. Tallmadge (1840 - ca. 1900) „Song of the beautiful“ brachte die gleiche Begeisterung für die göttliche Schöpfung zum Ausdruck. Doch bei der ungetrübten Freude blieb die Stimmung nicht lange. Und so lag eine Ahnung von Bedrohung in den moll-Klängen des Liedes „Lootuselaul - Lied der Hoffnung“ - doch auch die Sicherheit, dass die Hilfe vom Herrn kommt. Auch ganz aktuelle Lyrik war zu hören, wie etwa in dem Gedicht „Im Schatten großer Bäume will ich sein“ der 1991 geborenen Lyrikerin Michelle Reznicek.

Von der Romantik bis zur Gegenwart

Einen Schwerpunkt bildeten mehrere Werke der amerikanischen Komponistin Amy Beach. Der Chor der Regiswindiskirche und das Vokalensemble Novere ließen deren spätromantische Klangsprache differenziert und klangschön aufleben. Besonders in den „Three Shakespeare Songs“ überzeugten die Sängerinnen von Novere mit großer Transparenz und sicherer Intonation. Die Gedichte Hilde Domins schlugen dabei eine poetische Brücke zwischen den musikalischen Werken: Domins „Wolken von Zärtlichkeit“ fassten das gerade Gehörte in passende Worte. Ebenso „…das Glück beißt seinen kleinen Zahn in mein Herz“ - dieses Glück, diese Freude an Musik und Wort spürte man den Sängerinnen und Sängern der beiden Chöre regelrecht an.

Auch stilistisch blieb das Konzert abwechslungsreich. Filmmusikalisch-dramatische moderne Klangfarben bei Ruth Elaine Schram standen neben romantischer Melancholie, bevor Mia Makaroffs „Spes“ mit archaisch anmutenden Rhythmen, afrikanischen Klängen und moderner Dynamik neue Akzente setzte. Das Streichquartett mit Maria Sunten und Anna Frisch (Violine), Melanie Lorenz (Viola) sowie Elisabeth Erber (Violoncello) begleitete beide Ensembles aufmerksam und sensibel und verlieh dem Programm zusätzliche klangliche Tiefe.

Sicherer Hafen

Den Abschluss bildete Anna Tabbushs „Harbour“ mit seinen Anklängen an die moderne Folk-Musik. Für dieses Werk verteilten sich die Sängerinnen im Kirchenschiff rund um das Publikum. So entstand ein immersives Klangbad mit einem Raumklang, der die Zuhörer unmittelbar umhüllte und den Gedanken des „Hafens im Sturm“ sinnlich erfahrbar machte. Das begeisterte Publikum bedankte sich mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen für dieses erfrischende musikalisch-lyrische Waldbad für Sinne und Seele bei Katharina Linn und allen Mitwirkenden.

Text und Fotos: Bettina Keßler

Logos "Starke Frauen" & Kulturregion Heilbronner Land (rotes Männchen mit ausgestreckten Armen das nach rechts oben zeigt)