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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 22.09.2026

Zehn Jahre JKO: Die Zukunft klingt gut

Zum zehnjährigen Bestehen überzeugte das Junge Kammerorchester Tauber-Franken in der Stadthalle mit musikalischem Talent, großer Spielfreude und der herausragenden Harfensolistin Charlotte Bommas

Mit stehenden Ovationen endete am letzten Samstag der Sommerferien in der Lauffener Stadthalle das Jubiläumskonzert des Jungen Kammerorchesters Tauber-Franken. Unter dem Motto „Strings meet Harp“ feierte das Orchester sein zehnjähriges Bestehen – und zeigte dabei einmal mehr, warum seine Konzerte zu den besonderen Höhepunkten des städtischen Kulturprogramms „bühne frei…“ gehören.

"Strings meet harp" war das perfekt gewählte Motto des Jubiläumskonzerts des Jungen Kammerorchesters Tauber-Franken in der Lauffener Stadthalle (Abbildung: Orchester auf Bühne: Harfenistin links, Dirigent in der Mitte, Streicher rechts.
Unter dem Jubiläumsmotto "Strings meet harp" bezauberte die begabte Harfenistin Charlotte Bommas mit ihrer Spielfreude das Publikum ebenso wie die Streicherklänge des JKO.

Den Auftakt machte Fanny Hensels Streichquartett in Es-Dur, mit dem sich das JKO zunächst „pur“ präsentiert. Die beeindruckende Komposition der Schwester Felix Mendelssohn Bartholdys erwies sich als ebenso anspruchsvoller wie wirkungsvoller Einstieg: Die jungen Streicher meisterten die wechselnden Stimmungen mit großer Präzision, von leisen lyrischen, gefühlvoll ausgespielten Passagen am Anfang bis hin zu lebhaft jugendlich-frischen Momenten in den folgenden Sätzen. Dass Hensels Musik trotz ihrer Komplexität und Meisterschaft im Konzertleben noch immer vergleichsweise selten zu hören ist, verlieh diesem Beginn zusätzliche Bedeutung, gerade im „Starke Frauen“-Themenjahr der Stadt Lauffen a.N. und der Kulturregion HeilbronnerLand.

Ganz im Zeichen von „Strings meet Harp“ stand anschließend Claude Debussys „Danse sacrée et danse profane“. Hier rückte die erst 16-jährige Neckarwestheimer Harfenistin Charlotte Bommas ins Zentrum des Geschehens – und glänzte auf ganzer Linie. Mit großer technischer Souveränität, klarer Artikulation und bemerkenswerter musikalischer Reife bewältigte sie die verführerischen Läufe, Glissandi und rhythmischen Anforderungen des Werkes. Die Harfe war dabei nicht bloß Soloinstrument, sondern wurde zu einem klangprägenden Partner des Orchesters, das sich ebenso präsent und ebenbürtig präsentierte. Bommas gelang es dabei, die zarten Farben ebenso überzeugend herauszuarbeiten wie die kraftvollen, tänzerischen Passagen. Schon nach diesem Auftritt war die Begeisterung des Publikums deutlich zu spüren.

Dass mit Marcel Grandjanys „Aria in Classic Style“ noch eine weitere Facette der Harfenistin hörbar wurde, machte ihre Vielseitigkeit besonders deutlich: Nach einem zarten aber präsenten Einstieg erweiterten die Streicher das musikalische Spektrum. Bommas Sicherheit erlaubte es der natürlich auswendig spielenden Solistin sich voll und ganz auf das Zusammenspiel und den Ausdruck einzulassen. Die Zuhörer durften einfach nur durchatmen - und genießen. Als Zugabe setzte Bommas mit dem leidenschaftlichen „Tango“ von Jean-Michel Damase schließlich einen ganz anderen Akzent – temperamentvoll, pointiert und mit sichtlicher Spielfreude. Das Publikum war hingerissen.

Nach der Pause ging es weiter mit Gustav Mahlers „Adagietto“ aus der 5. Sinfonie und Mieczysław Karłowiczs „Serenade für Streicher, op. 2“. Das Adagietto entfaltete seine emotionale Wirkung aus einem getragenen, konzentrierten Klang heraus, der dem jungen Orchester alles abverlangte. Karłowiczs "Serenade for Strings" gab den Streichern mit ihren überraschend filmmusikalischen Anklängen und tänzerisch-leichten Walzerrhythmen dagegen nochmals Gelegenheit, ihren orchestralen Zusammenhalt und ihre dynamische Spannweite zu zeigen. Das eher zurückhaltend-präzise Dirigat von Thomas Conrad gab dabei den jungen Musikern stets sichtlich Stabilität und Sicherheit, erlaubt aber auch, etwa in solistischen Passagen, die Kreativität des Spiels einfach fließen zu lassen. Mit Michael Markowskis „Boomtown“ folgte schließlich als Zugabe ein überraschend vitaler Ausflug in amerikanisch anmutende Klangwelten – Wilder Westen inklusive. Dem Orchester machte dieser Kontrast sichtlich Spaß, dem Publikum auch.

Hinter diesem Konzert stand allerdings weit mehr als die Vorbereitung eines gelungenen Abends. Seit zehn Jahren stellt sich Dirigent und musikalischer Leiter Thomas Conrad gemeinsam mit dem Dozententeam Jahr für Jahr einer besonderen Herausforderung: In den Sommerferien wird eine intensive Workshopwoche investiert, anschließend folgen noch einmal drei Konzerttage. Die Besetzung verändert sich von Jahr zu Jahr, junge Musikerinnen und Musiker kommen neu hinzu, andere sind bereits erfahrene Mitglieder. Aus dieser zunächst heterogenen Gruppe immer wieder ein geschlossenes Orchester zu formen, verlangt musikalisches Können, pädagogisches Geschick und viel Engagement und Idealismus.

Dass dies gelingt, war auch beim Jubiläumskonzert eindrucksvoll zu erleben. Mehr noch: Im JKO entsteht eine Gemeinschaft, die über das gemeinsame Musizieren hinausgeht. Sue-Inken Huang, langjähriges Orchestermitglied und heutige Vorsitzende des JKO-Vereins, weiß das aus eigener Erfahrung. Sie gehört zu denen, die diese besondere Verbindung nicht nur von außen betrachten, sondern selbst „mitten drin“ sind. Zehn Jahre JKO bedeuten deshalb auch zehn Jahre Engagement, Ausdauer und Vertrauen in junge musikalische Talente aus der Region. Und ohne die finanzielle Unterstützung starker Förderer und Stiftungen wäre dies nicht möglich, denen Huang besonders für ihr Engagement dankte.

Das Jubiläumskonzert machte hörbar, dass sich dieser Kraftakt lohnt: mit hoher musikalischer Qualität, einem erstaunlichen Gemeinschaftsgefühl und einem Abend, der das Publikum zuversichtlich in die musikalische Zukunft blicken lässt.

Text und Foto: Bettina Keßler