Virtueller Lauffener Bote

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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 12.10.2026

Eine Werbeveranstaltung für die Kirchenorgel

Organist Michael Schütz zeigt die ganze Klangvielfalt der Orgel – und begeistert das Publikum mit Pop, Rock und großer Filmmusik

Michael Schütz an der Orgel der Regiswindiskirche: Mann sitzt vor einer Orgel mit mehreren Tastaturen und Registern
Mit virtuosen Arrangements und persönlicher Moderation begeistert Michael Schütz in der voll besetzten Lauffener Regiswindiskirche.

Wer glaubt, Kirchenorgeln seien vor allem für Choräle und klassische Musik zuständig, wurde am Samstagabend in der Lauffener Regiswindiskirche eines Besseren belehrt. Bis auf den letzten Platz gefüllt, auch auf der Empore und in den Seitenschiffen gut besetzt, bot die Kirche den Rahmen für ein außergewöhnliches Konzert: Pop, Rock und Filmmusik auf der Kirchenorgel. Der Organist Michael Schütz zeigte eindrucksvoll, wie wandelbar die „Königin der Instrumente“ sein kann.

Schütz ist Beauftragter für Popularmusik der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, lehrte an der Universität der Künste Berlin und arbeitet als Komponist. Seine Konzerttätigkeit führte ihn bis in die New Yorker Carnegie Hall. Seine Erfahrung spürt man in jedem Stück – auch darin, wie souverän er Musik, die ursprünglich für Pop- und Rockbands oder große Symphonieorchester geschrieben wurde, auf die Orgel überträgt. Zugleich führt er persönlich und kenntnisreich durch den Abend. Mit seinem Konzert wolle er Brücken bauen, erklärt er: Die bekannten Melodien verbinden die eigene musikalische Biografie zu einem gemeinsamen Erlebnis.

Den Auftakt macht noch fast vorsichtig „Thank You for the Music“ von ABBA. Mit „SOS“ und „Dancing Queen“ entfaltet die Orgel dann zunehmend ihre Klangmacht: Aus dem zunächst gedämpften Hilferuf wird ein raumgreifender orchestraler Klang, während „Dancing Queen“ mit geradezu bombastischem Einstieg die Lebensfreude des Songs spürbar macht.

Auch im Rockfach beweist Schütz sein Gespür für Klangfarben. „Smoke on the Water“ von Deep Purple verwandelt sich in einen schillernden, beinahe psychedelischen Klangteppich. Queens „Bohemian Rhapsody“, von Schütz als „Opernpersiflage“ angekündigt, entfaltet auf der Orgel seine ganze Dramatik. Auf die hymnische Kraft von „We Are the Champions“ folgen die sphärischen Läufe von „Don’t Stop Me Now“. Bei „Hey Jude“ rückt eine besondere, eigentümlich gesangliche Klangfarbe in den Vordergrund. Und natürlich erhält auch John Lennons Friedenshymne „Imagine“ einen Platz im Programm und verleiht dem zutiefst christlichen Wunsch nach Frieden überzeugend Ausdruck - trotz religionskritischer Anklänge.

Besonders eindringlich wird es bei Stings „Russians“. Die Orgel fängt die bedrückende Atmosphäre des Stücks aus der Zeit des Kalten Krieges ebenso ein wie seine hoffnungsvollen Passagen. Schütz erinnert an den Text – und dessen Aktualität lässt das Publikum erschaudern. Danach schlägt das Konzert mit dem James-Bond-Thema von Monty Norman und der Titelmusik zu „Goldfinger“ eine andere Richtung ein: coole Bassläufe, spürbarer Beat und brillante Klangfarben zeigen eine weitere Seite des eindrucksvollen Instruments.

Im dritten Teil gehört die Bühne ganz der Filmmusik. Bei „Hedwig’s Theme“ aus Harry Potter entführt die Orgel mit zarten, flötenartigen Tönen und blitzschnellen Läufen nach Hogwarts. Auch die Soundtracks zu „Game of Thrones“ und „Pirates of the Caribbean“ entfalten ihre orchestrale Wucht. Schütz lenkt dabei den Blick auf spannende rhythmische Feinheiten, doch letztlich spricht die Klangpracht für sich.

Am Ende steht mit John Miles’ „Music Was My First Love“, der „Mini-Sinfonie des Pop-Rock“, ein passender Schlusspunkt. Das begeisterte Publikum dankt mit stehenden Ovationen.

Der Abend ist zugleich eine eindrucksvolle Werbung für die Orgel – und liefert doch einen nachdenklich machenden Hinweis: Ein während des Konzerts festklemmender Ton, unter Organisten als „Heuler“ bezeichnet, macht deutlich, dass dringend in das Instrument investiert werden muss, damit auch künftig solche wunderbaren, gemeinschaftlichen Klangerlebnisse möglich sind. Das begeisterte Publikum würde sich dies sicher wünschen.

Text und Foto: Bettina Keßler