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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 19.10.2026

HerbstLese, der zweite Abend: Dieser Herr C. aus der Stadt M.

Der Geburtsort eines Dichters und Schriftstellers ist ein fixer Ort in seiner Biografie. Das ist bei Hölderlin so und das ist auch bei Wolfgang Hilbig (1941 - 2007) so, der in der Lauffener Partnerstadt Meuselwitz geboren wurde. Seit 2011 gibt es die literarische Vereinigung „Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft“, die mit ihren Aktivitäten sein Leben und Werk beleuchtet. Der 85. Geburtstag des Schriftstellers war nun der Anlass für eine besondere Veranstaltungsreihe, Lauffen war neben Berlin und Leipzig einer der ausgewählten Orte.

Von links nach rechts: Kathrin Hansch, Katja Enders-Plate, Ede Müller, Nancy Hünger (Foto: Eva Ehrenfeld)
Von links nach rechts: Kathrin Hansch, Katja Enders-Plate, Ede Müller, Nancy Hünger (Foto: Eva Ehrenfeld)

Der Filmemacher Ede Müller, ursprünglich aus Sigmaringen, inzwischen in Berlin und Altenburg lebend, präsentierte einen Dokumentarfilm über Hilbig mit Interview-Ausschnitten und Sequenzen aus Hilbigs Herkunftsstadt, die dessen Schreiben nachhaltig geprägt hat. Im sich anschließenden Gespräch mit Kathrin Hanisch von der Hilbig-Gesellschaft, dem Filmemacher und der Künstlerin Katja Enders-Plate, moderiert von Nancy Hünger aus Tübingen, wurde die literarische Arbeit Hilbigs beleuchtet und seine Stellung innerhalb der Literatur des 20. Jahrhunderts. Das Anliegen, sein Werk noch weiter zu verbreiten wurde deutlich, da es einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Arbeitersituation in der DDR beinhaltet. Hilbig war lange Zeit einfacher Heizer im Braunkohle-Tagebau, der auch seine wortgewaltigen und bildintensiven Gedichte mit geformt hat. Der „Herr C. aus M.“ ist im Roman „Das Provisorium“ das Alter Ego des Autors, der erst nach der Übersiedlung in die BRD veröffentlichen konnte. Man hätte diesem Abend mit Fokus auf einen Abschnitt unserer Geschichte allerdings mehr Besucher gewünscht.

Ausstellungszyklus Salix
Ausstellungszyklus Salix

Vorgestellt wurde auch der Zyklus „Salix“, der lateinische Name für „Weide“, der Leipziger Künstlerin Katja Enders-Plate. Ein Baum, der in Hilbigs Texten oft vorkommt. Angeregt wurde sie von den Stimmungen in den Landschaften, Erinnerungen und auch Leerstellen in den Texten Hilbigs; eine Spurensuche auf seinen Wegen. Die sehr fein gearbeiteten 15 Radierungen und Zeichnungen sind noch bis zum 22. November im Hölderlinhaus zu den Öffnungszeiten zu sehen.