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Aktuelle Nachrichten | Kast, Ingrid | 20.10.2026

Ein Leben im Zeichen von Wein und Politik: Gedenken an Ehrenbürger Gotthilf Link zum 100. Geburtstag

Am 19. Oktober 2026 wäre Gotthilf Link 100 Jahre alt geworden. Aus diesem besonderen Anlass kamen Familie, Weggefährten und zahlreiche Zeitzeugen zusammen, um bei einer feierlichen Gedenkstunde an das Leben und Wirken des ersten Lauffener Ehrenbürgers zu erinnern.

Die Veranstaltung bei den Lauffener Weingärtnern war weit mehr als ein förmlicher Rückblick, sie wurde zu einem lebendigen Austausch von Erinnerungen. Neben der Würdigung seiner Leistungen standen vor allem persönliche Geschichten im Mittelpunkt. Zeitzeugen und Angehörige erzählten Anekdoten, die ein facettenreiches Bild von Gotthilf Link zeichneten. Mit einem Lächeln erinnerte man sich an seine unverwechselbaren Sprüche, die vielen bis heute im Gedächtnis geblieben sind, und berichtete schmunzelnd von seinen liebgewordenene Essgewohnheiten. So wurde die Gedenkstunde zu einem sehr menschlichen, nahbaren Moment des Erinnerns.

v.l.n.r. Pfarrer i.R. Gerhard Kuppler, Altstadträtin Inge Haury, ehem. Vorstand und Ehrenmitglied Lauffener Weingärtner, Stadftrat u. Bürgermeister-Stellvertreter Axel Jäger
v.l.n.r. Pfarrer i.R. Gerhard Kuppler, Altstadträtin Inge Haury, ehem. Vorstand und Ehrenmitglied Lauffener Weingärtner, Stadtrat u. Bürgermeister-Stellvertreter Axel Jäger

Inge Haury, die einige Jahre gemeinsam mit ihm im Gemeinderat gesessen hatte, trug ein selbst verfasstes Gedicht über ihn vor. Uli Maile erinnerte sich gern an „Gottl“, dem er seine Ausbildungsstelle zu verdanken hatte. Gerhard Kuppler berichtete von vielen tiefgründigen Gesprächen mit Gotthilf Link. Gemeinsam wurde auch viel gesungen, war Link doch ebenfalls im Kirchenchor aktiv. Besonders wichtig sei ihm nach jedem „Streit“ die Versöhnung gewesen, ganz im Sinne des christlichen Glaubens. Moderator Axel Jäger zog in den Gemeinderat ein, als Gotthilf Link ausschied. Dieser gab ihm aber noch einige Tipps für seine Arbeit als Gemeinderat mit auf den Weg.

Gotthilf Link (1926–2009) war eine Persönlichkeit, deren Leben untrennbar mit Wein und Politik verbunden war. Als Weinbaumeister aus einer Lauffener Wengerterfamilie prägte er den Weinbau in Württemberg und auf Bundesebene maßgeblich. Er war von 1966 bis 1993 Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtnergenossenschaft, von 1973 bis 1991 Präsident des Württembergischen Weinbauverbands und von 1980 bis 1992 Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbands. Sein Einsatz, vor allem bei den großen Rebflurbereinigungen und für den Steillagenweinbau, hinterlässt bis heute sichtbare Spuren.

Mit gleicher Leidenschaft widmete er sich der Politik. Für die CDU gehörte er von 1964 bis 1979 dem Kreistag und von 1972 bis 1988 dem Landtag von Baden-Württemberg an, wo er unter anderem den Ausschuss für Wirtschaft und Umwelt leitete. Auch in seiner Heimatstadt Lauffen setzte er Maßstäbe: Von 1959 bis 1994 saß er im Gemeinderat und prägte als langjähriger stellvertretender Bürgermeister die Entwicklung der Stadt. Darüber hinaus engagierte er sich im Deutschen Roten Kreuz und im Kirchengemeinderat.

ehem. Staatssekretärin u. Deutsche Weinkönigin Friedlinde Gurr-Hirsch
ehem. Staatssekretärin u. Deutsche Weinkönigin Friedlinde Gurr-Hirsch

Friedlinde Gurr-Hirsch, ehemalige Staatssekretärin und frühere Deutsche Weinkönigin, begegnete Gotthilf Link bei vielen Gelegenheiten. Sie wurde 2001 seine Nachfolgerin im Landtag von Baden-Württemberg. Sie würdigte sein segensreiches Wirken für den Weinbau und erinnerte daran, dass er Themen, die ihm wichtig waren, stets mit Nachdruck voranbrachte. Der gewählte Standort der Gotthilf-Link-Promenade am Kies, direkt am Neckar, hätte ihm sicher gefallen.

Bürgermeisterin Sarina Pfründer würdigte den Tag als einen ganz besonderen Anlass zum 100. Geburtstag, der Raum für Dankbarkeit biete. In ihren Worten erinnerte sie eindringlich an die jahrzehntelange Arbeit von Gotthilf Link für das Wohl der Stadt Lauffen. Sie beschrieb seine tiefe, unverwüstliche Heimatverbundenheit und betonte, dass er trotz all seiner Erfolge und hohen Ämter stets bodenständig geblieben sei. Mit bewegenden Worten hob sie hervor, dass das Fundament und die Lebendigkeit einer Stadt wie Lauffen maßgeblich von jenen Menschen getragen werden, die nicht nur zusehen, sondern sich aktiv einbringen und bereitwillig Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen – und dass Gotthilf Link in jeder Hinsicht ein solcher Mensch gewesen sei.

v.l.n.r.  v.l.n.r. Vorstandsvorsitzender Lauffener Weingärtner u. Württ. Weinbaupräsident Dietrich Rembold, die drei Töchter v. Gotthilf Link Beate Canapa, Dorothea Link-Matzek u. Mechthild Link-Englert mit Bürgermeisterin Sarina Pfründer mit dem Straßenschild
v.l.n.r. v.l.n.r. Vorstandsvorsitzender Lauffener Weingärtner u. Württ. Weinbaupräsident Dietrich Rembold, die drei Töchter v. Gotthilf Link Beate Canapa, Dorothea Link-Matzek u. Mechthild Link-Englert mit Bürgermeisterin Sarina Pfründer mit dem Straßenschild

Den feierlichen Abschluss gestaltete Dietrich Rembold mit einem persönlichem Schlusswort. Er erinnerte an den prägenden und Einfluss, den Gotthilf Link auf die WG Lauffen ausgeübt hatte. Mit einer Prise Humor, ganz im Geiste des Jubilars, schilderte er, wie Gotthilf Link es stets verstand, selbst in hitzigen Diskussionen mit einem schlagfertigen Spruch und einem Augenzwinkern für die nötige Leichtigkeit zu sorgen. Diese Mischung aus unerschütterlicher Zielstrebigkeit und menschlicher Herzlichkeit bleibe als bleibendes Vorbild für alle Mitglieder der WG Lauffen.

Für sein Lebenswerk wurde Gotthilf Link vielfach geehrt: Er erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Große Verdienstkreuz und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. 1994 verlieh ihm die Stadt Lauffen am Neckar die Ehrenbürgerwürde, und bis 2012 blieb er der erste und einzige Träger dieser Auszeichnung. Der aktuelle Ehrenbürger Heinz-Dieter Schunk konnte dem Festakt bei den Weingärtnern ebenfalls beiwohnen.

Zu Ehren der Verdienste von Gotthilf Link um die Stadt beschloss der Gemeinderat am 25. März 2026, die Promenade am Kiesplatz direkt am Neckar „Gotthilf-Link-Promenade“ zu nennen. So bleibt sein Name künftig an einem Ort verankert, an dem Lauffen und der Neckar zusammenkommen.

Dass auch seine Töchter und weitere Familienmitglieder an der Gedenkstunde teilnahmen, war ein besonders schöner Moment. Der Mittag zeigte einmal mehr, dass Gotthilf Link nicht allein durch seine Ämter und Auszeichnungen in Erinnerung bleibt, sondern vor allem durch seine Persönlichkeit und seine tiefe Verbundenheit mit der Heimat.