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Aktuelle Nachrichten | Keßler, Bettina | 26.10.2026

Ein Schlüssel für den Mut, ein Fernglas für den Weitblick

Gästeführerin Anette Schäfer spürte den „Weiblichen Wegbereiterinnen“ in Lauffen nach – und erzählte von Frauen, die Grenzen überwanden und Spuren hinterließen.

Logos "Starke Frauen" & Kulturregion Heilbronner Land (rotes Männchen mit ausgestreckten Armen das nach rechts oben zeigt)
Gästeführung "Weibliche Wegbereiterinnen" im "Starke Frauen"-Themenjahr: Gruppe von sieben Personen steht am Kiesplatz an der Zabermündung in den Neckar zusammen, Gästeführerin Anette Schäfer hält einen Vortrag.
Gästeführung "Weibliche Wegbereiterinnen" im "Starke Frauen"-Themenjahr: Gruppe von sieben Personen steht am Kiesplatz an der Zabermündung in den Neckar zusammen, Gästeführerin Anette Schäfer hält einen Vortrag.

Ein Schlüssel, ein Fernglas, ein Notizbuch: Was zunächst nach einer ungewöhnlichen Einkaufsliste klingt, erzählt von Mut, Weitblick und Durchsetzungsvermögen. Bei der Gästeführung „Weibliche Wegbereiterinnen“ am Sonntag, 25. Oktober, machte Anette Schäfer die Geschichten bemerkenswerter Frauen lebendig. Der Rundgang gehörte zum städtischen und regionalen Themenjahr „Starke Frauen“.

Ausgangspunkt war die Skulptur „Frau mit Tasche“ in der Bahnhofstraße. Sie brachte Schäfer auf die Frage, was Frauen aus der Lauffener Geschichte in die sprichwörtliche Tasche gepackt haben. Für jede ihrer Protagonistinnen hatte sie einen Gegenstand dabei, der deren Lebensweg und Wirken anschaulich machte.

Am Klosterhof begegnete die Gruppe Katharina von Württemberg (1441–1497), Tochter des Grafen Ulrich V. („der Vielgeliebte“). Als Nonne im Lauffener Dominikanerinnenkonvent wollte sie sich nicht mit dem strengen Klosterleben abfinden, das auf Reformbemühungen ihres Onkels Herzog Eberhard I. „im Bart“ zurückging. Sie floh aus dem Lauffener Kloster und suchte Schutz beim Bischof von Würzburg. Einen Schlüssel hatte Schäfer für sie eingepackt, symbolisch für ihren Mut, aus einem vorgezeichneten engen Leben auszubrechen – mit allen Risiken.

Lina Hähnle wiederum richtete ihren Blick weit über den eigenen Alltag hinaus. Als achtfache Mutter engagierte sie sich mit Zeit und Geld für den Vogelschutz und gründete 1899 den Bund für Vogelschutz. Auch der Auenwald auf der Lauffener „Nachtigalleninsel“ verdankt ihr seinen Schutz: Hähnle kaufte das ökologisch wertvolle Gebiet und setzte sich für dessen Unterschutzstellung ein. Ein Fernglas brachte ihre Weitsicht auf den Punkt.

Auf dem Kirchberg stand die heilige Regiswindis im Mittelpunkt. Schäfer schilderte die Geschichte der ermordeten Grafentochter, die man jedoch drei Tage nach ihrem Tod mit gefalteten Händen und rosigen Wangen im Neckar fand – ein Wunder für die gottesfürchtige mittelalterliche Bevölkerung. Ein Bilderzyklus im Chor der Regiswindiskirche stellt die Legende dar. Für die Menschen war dies ein so starkes spirituelles Zeichen, dass sie in Scharen nach Lauffen pilgerten und so auch den Bischof von Würzburg dazu bewogen, die unschuldige Grafentochter heilig zu sprechen. Daraus entwickelte sich ein Wallfahrtstourismus, der für Lauffen einen gewissen Wohlstand brachte und den Bau der Regiswindiskirche vor 799 Jahren initiierte, einer der ersten frühgotischen Hallenkirchen in ganz Süddeutschland. Ein Neckarstein erinnerte an die Heilige und ihre Geschichte.

Im Kirchenchor lenkte Schäfer den Blick auf Angelika Weingardt. Die Glaskünstlerin gestaltete die Chorfenster zum Thema Weinbau mit aus Blei nachempfundenen Rebstöcken und hellen, mundgeblasenen Glaselementen. Mit ihrem modernen Entwurf wagte sie sich in eine Domäne, die lange Männern vorbehalten war. Glassteine standen stellvertretend für ihre künstlerische Arbeit mit dem besonderen Werkstoff.

Mit Blick auf Neckar und Weinberge folgten zwei Frauen, die sich für die Anliegen der Bäuerinnen einsetzten: Die 1882 in Lauffen geborene Maria Bidlingmaier untersuchte für ihre Doktorarbeit in Staatswissenschaften die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bäuerinnen in Lauffen und Kleinaspach – mit wichtigen Erkenntnissen. Ein Notizbuch deutete auf ihre Rolle als Forscherin und Chronistin hin. Hanne Schiefer führte nach dem Tod ihres Mannes im Zweiten Weltkrieg den landwirtschaftlichen Betrieb weiter und engagierte sich jahrzehntelang für die Landfrauen in Lauffen und ganz Württemberg. Vor allem die Bildung der Frauen lag ihr dabei besonders am Herzen, da sie darin den Schlüssel zu Selbständigkeit und Unabhängigkeit erkannte.

Zum Schluss schloss sich der Kreis an der „Frau mit Tasche“ von Karl-Henning Seemann. Für Schäfer verkörpert die Skulptur die moderne Frau, die Geschichte und Welt in ihrer Tasche trägt. Der Rundgang zeigte eindrücklich, wie unterschiedlich die Wege waren, auf denen Frauen die Stadt Lauffen am Neckar, aber auch unsere Welt weit über die Hölderlinstadt hinaus, geprägt haben.

(Text und Foto: Bettina Keßler)