Freundeskreis

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aktuelle Aktivitäten

Aktuelle Aktivitäten des Hölderlin-Freundeskreises

Lesen Sie hier, welche Fortschritte der Freundeskreis macht, was aktuelle Themen sind und nehmen Sie gerne Kontakt zum Vorstand auf, wenn Sie eigene Ideen oder Anregungen haben. Die Arbeit des Hölderlin-Freundeskreises lebt von den Menschen, die ihn unterstützen.

Gelungenes Sommerfest

An keiner Stelle in Lauffen – jedenfalls, bis das Hölderlinhaus zugänglich sein wird – fühlt man sich dem Dichter so nah wie vor dem Museum. Dieser Bereich zwischen der alten Klosterkirche und den Büschen und Bäumen am Ufer der Zaber, zwischen alter Geschichte und der für Hölderlin „wandellosen, stillen und schönen Natur“ besitzt eine ganz besondere Atmosphäre. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass er zunehmend für gesellschaftliche Veranstaltungen genutzt wird, wie auch beim abendlichen Sommerfest am letzten Freitag, zu dem der Hölderlin-Freundeskreis eingeladen hatte. Anlass war die Einweihung der vom Freundeskreis gestifteten Holzbank, die hier zum Verweilen einlädt. Die zahlreichen Besucher fanden nicht nur ein einladendes Ambiente und ein vielfältiges  Angebot von Ess- und Trinkbarem vor, sondern bekamen mit dem „Trio Bluesette“ auch eine musikalische Umrahmung geboten, die mit „Salonmusik“ nur unzureichend beschrieben ist. Ihre aus unterschiedlichen musikalischen Traditionen stammenden, virtuos vorgetragenen Rhythmen, Melodien und Klänge schufen eine poetische, Herz und Gefühl ansprechende Stimmung, eine Verzauberung, zu der es passte, dass am späteren Abend auch noch der Mond in magischer Weise seine Gestalt veränderte.

Informativer Neujahrsempfang beim Hölderlin-Freundeskreis

Ein abwechslungsreiches Programm hatte Gerlinde Endriß, die Vorsitzende des Hölderlin-Freundeskreises für den Neujahrsempfang 2018 zusammengestellt: Neuigkeiten aus der Lauffener Weinszene, Hintergründe zur Sanierung und zum Museumsneubau Hölderlinhaus sowie einen Rückblick/Ausblick in ein aktives Vereinsleben.

 Neujahrsempfang HölderlinFreundeskreis Gerlinde Endriß

Den Dichter den Lauffenern und der Region näher bringen, durch Lesungen und Literaturvermittlung, das ist sicherlich die Kernaufgabe des Vereins. Gelungen ist dies im Jahr 2017 durch eine musikalisch-literarische Collage mit Rudolf Guckelsberger und Johannes Wördemann, durch den unvergesslichen Auftritt des sympathischen Büchner-Preisträgers Jan Wagner und die mehrtägige Spurensuche des Philosophen Christoph Quarch.

 

Mit der Eröffnung der ständigen literarischen Ausstellung im Hölderlinhaus Nordheimer Straße 5 und dem Neubau eines Veranstaltungs- und Wechselausstellungsraumes sollte dies ab 2020 noch einfacher werden. Da angedacht ist, den Lauffener Freundeskreis mit der Trägerschaft des Museum zu beauftragen, war es durchaus sinnvoll, dass der Architekt des Um- und Anbaus den aktuellen Planungsstand erläutert.

 

Zuvor schilderte der Stellvertretende Vorsitzende, Bürgermeister Klaus-Peter Waldenberger den Wettbewerbsverlauf sowie die Entscheidungswege im Gemeinderat. Ende September 2017 hatte dieser entschieden, nicht nur die Sanierung des Bestandsgebäudes sondern auch den Erschließungsteil, die Technik und den Wechselausstellungsraum bis März 2020 zu bauen. Hinzu kommt noch die literarische Dauerausstellung. Verantwortlich für diese 3 Aufgaben ist der aus dem Wettbewerb als Erstplatzierter hervorgegangene Matthias Siegert, Chef des Planungsbüros von M, Stuttgart.

 

Sein Vortrag bildete den Schwerpunkt des Neujahrsempfangs. Zusammen mit den gespannt lauschenden Zuhörern arbeitete er sich durch die 4 Geschosse des Gebäudes, beginnend mit dem UG in dem sich neben dem imposanten Gewölbekeller die Sanitärräume des Gesamtkomplexes befinden, beides behindertengerecht über einen Aufzug erschlossen. Im EG weitet sich die Fläche auf den museumspädagogischen Teil im Altbau an der Nordheimer Straße, Empfang/Info/Garderobe im Zwischenbau sowie dem Wechselausstellungsraum als Neubau aus. Das 1. OG beherbergt die ständige literarische Ausstellung im Altbau, einen Verbindungssteg zum Treppenturm im Zwischenbau und den Zugang zur Weinterrasse. Unter dem Dach schließlich befindet sich ebenfalls barrierefrei erreichbar das wunderschöne „Sommerzimmer“ sowie zwei Büroräume. Für die Ausstellungsinhalte, die derzeit von Eva Ehrenfeld erarbeitet werden, hat Matthias Siegert ein individuelles Möblierungssystem entworfen, das, weil anpassungsfähig, auch Veränderungen in Folgejahren ermöglicht. Waren für die im bestehenden Hölderlinzimmer zu besichtigende Ausstellung noch die Oberbegriffe „Werden, Schreiben, Wirken“ das ordnende Element, sind für die künftige Ausstellung Beschreibende Begriffe wie „der Romantiker, der Vordenker, der Freund, der Liebhaber …“ angedacht.

 

Den erfrischenden Schluss eines erkenntnisreichen Abends bildete die Präsentation des neuen Lauffener Weingutes Seybold durch den Seniorchef Peter Seybold und die Vertreterin der Generation Y, Cathrin Seybold.

 

Weingut Seybold Neujahrsempfang Hölderlin-Freundeskreis

 

Zwei Sekte sowie ausgewählte Weiß- und Rotweine verschafften einen sehr guten Einblick in die Philosophie des Betriebes, ergänzt durch Wissenswertes und Anekdotisches. Was man so erlebt, wenn man ein Weingut neu gründet, wie es zum Namen und der Wortmarke kam und was den Ausbau im Granitfass von dem im Holz oder Edelstahl unterscheidet, das war für den Freundeskreis hochinteressant. man will schließlich zum Jubiläumsjahr 2020 auch einen Wein präsentieren - aus der „Hölder“- Rebe.

 

Sprachliche Entdeckungsreisen

Büchner-Preisträger Jan Wagner las am 20. September auf Einladung des Hölderlin-Freundeskreises im Museum im Klosterhof

 

Als der Hölderlin-Freundeskreis im Frühjahr beschloss, auch Lesungen zeitgenössischer Autoren in sein Programm aufzunehmen, konnte man nicht ahnen, mit Jan Wagner gleich den augenblicklichen Star der  deutschen Lyrikszene für die erste Veranstaltung verpflichten zu können. Schließlich war der 1971 in Hamburg geborene Poet nicht nur vor zwei Jahren mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden, sondern erst vor kurzem auch mit dem Georg-Büchner-Preis, der bedeutendsten Ehrung, die ein Schriftsteller in Deutschland erringen kann.

 

Entsprechend gespannt auf ihren Gast waren die Besucher, die sich letzten Mittwoch im Museum eingefunden hatten. Es erschien ein freundlicher, jugendlich aussehender Mann, der ohne alle Künstlerallüren, mit Hingabe und sichtlicher Freude seine Gedichte vortrug, mit allen plauderte und am Ende der Lesung über sich und sein Dichten bereitwillig  Rede und Antwort stand. Auch in  den Stücken, die zum Vortrag kamen, geht es auf den ersten Blick unprätentiös zu. Es sind meist alltägliche, uns scheinbar vertraute Dinge aus Natur und Alltag - ein Mückenschwarm, ein Stück Seife, ein Glas Wasser, die Wippe, das Bettlaken, der Teebeutel – die zum Ausgangspunkt einer poetischen Darstellung werden. Nicht ihre vordergründige Funktion interessiert Wagner, sondern er ist ihrem Wesen auf der Spur, will, was an ihnen sinnfällig ist, aber auch, was  gleichnishaft über sie hinausweist, mit den Mitteln der Poesie zum Ausdruck bringen. Wagners Gedichte gleichen sprachlichen Entdeckungsreisen, die uns die vielfältigen Erscheinungen und Sinngehalte der Welt vor Augen stellen, dabei Geheimes und Verdecktes offenlegen, Zusammenhänge wie auch Gegensätzliches und Komisches zutage fördern und uns so zum Staunen und Nachdenken und oftmals auch zum Schmunzeln bringen.                                                                                                            

Im Gedicht „versuch über seife“ wirkt das Stück Seife zunächst wie ein Versprechen für Sauberkeit und Reinheit („stand dann wieder voll  / und leuchtend weiß in seiner Schale“), wird dann aber zur Versuchung mörderischer Gewalt („ wog wie ein stein in der faust“), die jäh losbrechen („schäumte auf“), die man aber auch überwinden kann („wurde weicher: / man wusch sich von kain zu abel“), bis  nach solch umfassender Reinigung das abendliche Essen zum verheißungsvollen Bild einer Mahlgemeinschaft wird, bei der, da Gegensätze überwunden und Trennendes nicht mehr sichtbar ist, alle am Tisch ihr Zusammensein wie Wohlgeruch empfinden („und alle sitzen wir am tisch: / mondloser abend, duftende hände“).                                                                                                                                        

Wagners Wortwahl ist, wie das Beispiel zeigt, meist einfach und unspektakulär, vermeidet Ausgefallenes und nur Modisches; sie kennt, befeuert von dichterischer Imagination, aber auch den Ausbruch ins Phantastische und Lautmalerische - wie beim berühmten „Giersch“,  dem Gedicht, das zur Zeit viel zitiert wird und mit dem auch Wagner seine Lesung begann. Bestimmend für seine Lyrik bleibt das Bemühen um sprachliche Verdichtung  und Konzentration auf den jeweiligen Sinngehalt der Worte und dadurch ihre Reinigung von einem oberflächlichen, gedankenlosen Gebrauch. Da Wagner in der Regel auf einen Endreim verzichtet, ist nicht schon beim ersten Hören erkennbar, mit welcher Kunstfertigkeit seine Gedichte  gebaut sind: durch die Verwendung klassischer Formen wie Sonett, Sestine und Haiku, durch die zahlreichen Binnenreime,  Assonanzen und Lautmalereien, die für die Musikalität seiner Sprache sorgen, und nicht zuletzt durch die präzisen und lange nachwirkenden Bilder.

In den Vortrag seiner Lyrik streute Jan Wagner mehrmals  Prosatexte ein - einen Ausschnitt aus einer Rede über Bibliotheken und zwei seiner „ Postkarten aus Neukölln“ –  sprachlich funkelnde Schilderungen von Orten und Einrichtungen, in denen der Autor seiner Lust am bildhaften Formulieren und Fabulieren freien Lauf lässt.

Im anschließenden Gespräch mit den Zuhörern gab Jan Wagner Einblick in sein Schaffen. Er  bestätigte dabei, was seine Gedichte vermuten lassen: dass sie auf einem langen Weg des Konzipierens und Überarbeitens entstehen. Er sprach auch die vielfältigen Traditionen an, die sein Dichten beeinflussen; neben deutsche Poeten sind es vor allem solche aus dem englischsprachigen Raum, von denen er viele übersetzt hat. Dass Hölderlin ihm wichtig, die Auseinandersetzung mit ihm auch für andere deutschen Lyriker unverzichtbar sei, hörte man in Lauffen gern. Wagner gestand auch ein, die große Anerkennung, die sein Werk gefunden habe, bedeute für ihn nicht nur  Freude, sondern auch die Last, den hohen Ansprüchen gerecht zu werden.

Gerlinde Endriß, die Vorsitzende des Hölderlin-Freundeskreises, verband mit ihren Dankesworten auch die herzliche Einladung an den Dichter, im März 2020 zusammen mit dem Freundeskreis Hölderlins 250ten Geburtstag in Lauffen zu feiern. Jan Wagners Antwort schloss nichts aus, so dass die Begegnung mit diesem sympathischen Poeten möglicherweise eine Fortsetzung finden kann.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Literaturland Baden-Württemberg.

Text: Franz Kosel, Bilder: Michael Endriß

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