Umwelt & Natur

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Projekt Neckar-Schwarzpappel-Auenwäldchen

Das Lauffener Schwarzpappel-Auenwäldchen

- Abschluss eines Pilotprojektes zur Erhaltung der Biodiversität

Ein Auenwald entsteht

Die Schwarzpappel (Populus nigra) ist ein wichtiger Bestandteil der Auen größerer Flüsse. Diese Baumart bildet am Neckar eine kleine eigenständige Population, die sich von Vorkommen an Bodensee, Rhein und Donau genetisch unterscheidet. Bevor die letzten noch existierenden Altbäume (rd.140 Exemplare), die am Neckar und seinen Zuflüssen noch stehen, umfallen oder absterben und ihr genetisches Potential unwiederbringlich verloren geht, soll diese Population gerettet werden.

Im Lauffener Auenwäldchen wurden auf einer rund 2 ha großen Wiesenbrache im Neckarbogen nördlich der Stadt neben den typischen Begleitgehölzen wie Weiden, Eiche, Hainbuche und Traubenkirsche 153 Schwarzpappeln gepflanzt. Alle Erbgut-Typen der im Einzugsgebiet des Neckars noch vorhandenen Wildformen der Schwarzpappel sind hier vereint. Da das Wäldchen weibliche und männliche Schwarzpappeln enthält, ist zu hoffen, dass sich die bedrohte Baumart von hier aus wieder über Samen vermehrt und entlang des Neckars ausbreitet.

Der Aufbau neuer Auenwälder ist wichtig, da durch den Ausbau des Neckars und die intensive landwirtschaftliche Nutzung und Bebauung naturnahe Überschwemmungsflächen fast ganz verschwunden sind. Auenböden sind von Natur aus humusreich. Der hohe Nährstoffreichtum lässt die Vegetation schnell wachsen, und die Pflanzen- und Wurzelmasse bleiben als Holz oder Humus erhalten. Damit speichern sie besonders viel Kohlendioxid. Auenwälder wie das Schwarzpappelwäldchen sind daher nicht nur als Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bedeutsam, sondern auch als effizienter CO2 – Speicher, und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Erhaltungspflanzung

Die Aufforstung umfasst alle aktuell bekannten und verfügbaren Genotypen des Neckargebiets:  seltene Individualtypen, die nur einmal im Neckargebiet vorkommen, aber auch häufig verbreitete Klone, insgesamt 34 Genotypen. Jeder Genotyp wird in Baumgruppen von 3-6 Exemplaren gepflanzt, sodass bei Ausfall immer noch eine Pflanze am Pflanzplatz übrig bleibt. Darüber hinaus werden 12 generativ vermehrte Schwarzpappelindividuen (Freiberger Sämlinge) gepflanzt.

 

Selbst wenn in Zukunft weitere Altbäume und damit deren individuelle genetische Merkmale durch Alter, Windbruch oder Fällung verloren gehen, sind hier Nachkommen zu finden.

Das Pflanzmuster ist so gewählt, dass die Schwarzpappelgruppen nach Jahrzehnten noch auffindbar sein sollten. Für die „Nachzügler“ - es fehlen noch die Nachzuchten von zwei Genotypen - sind Platzhalter vorgesehen.

Mit der Pflanzung in Lauffen kommt das Förderprojekt zur Erhaltung der Neckar-Schwarzpappel zu einem vorläufigen Abschluss. Es begann 1997 mit der Auffindung und kartographischen Erfassung der letzten Neckar-Schwarzpappeln. Von allen Bäumen wurden Steckreiser zur Untersuchung und Vermehrung entnommen. Schwerpunkt des Projektes waren genetische Analysen zur sicheren Abgrenzung gegenüber Kreuzungen mit amerikanischen Pappelarten und gegenüber Schwarzpappel-Vorkommen an anderen Flusssystemen in Baden-Württemberg (Projektinfo II). Erste Pflanzungen fanden bereits an den EnBW-Kraftwerken Obrigheim und Mühlhausen/ Enz und in anderen Gemeinden statt. In Lauffen stellt die EnBW Energie Baden-Württemberg AG  einen ehemaligen Kraftwerksstandort zur Verfügung.

Akteure

Projektleitung, Pflanzplanung: Arbeitskreis zur Erhaltung der Neckarschwarzpappel: I. Maass, Thomas  Weich     

Pflanzenmaterial: Baumschulen Waller GmbH Schwäbisch Hall

Pflanzung: Forstfirma Gebhard in Kirchardt

Bereitstellung des Grundstücks: EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Finanzierung der Anlage incl.  Planung: Stiftung Energie &  Klimaschutz Baden-Württemberg und EnBW

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