Geschichte

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Kirchengeschichte

Kirchengeschichte

Kirchlich teilte Lauffen, das 741/42 dem neu gegründeten Bistum Würzburg zugeschlagen und 1361/1369 württembergisch geworden war, das Schicksal der Grafschaft und des Fürstentums Württemberg; 1534 wurde es evangelisch. Früher zeitweise selbst Dekanat (mit Brackenheim und Güglingen wechselnd) gehört die evangelische Kirchengemeinde Lauffen a. N. heute zum Dekanat Besigheim. Sie hat drei Pfarrstellen. Neben der Pfarrkirche und St. Martin im Städtle sind das Karl-Harttmann-Haus und das Haus „Fenster“ Zentren des Gemeindelebens.

 

Die dreischiffige Regiswindiskirche im Dorf war immer Pfarrkirche für ganz Lauffen. Ihr heutiges Aussehen verdankt sie vor allem dem Wiederaufbau als Hallenkirche nach dem Brand von 1564 und der Überarbeitung 1777-1779. Sehenswert sind der aus der Zeit um 1300 stammende frühgotische Chor, mittelalterliche Freskenreste in den beiden seitlichen Altarziborien vor dem Chor, die Renaissanceausmalung, die in den fünfziger Jahren wiederhergestellt wurde, und die frühbarocke Orgel. Außen zeigt die Kirche insgesamt sechs Sonnenuhren der Zeit um 1300 bis 1506. In einer überdachten Chornische ist ein stark beschädigter, 2009 restaurierter „Ölberg“ zu sehen, den der bedeutende Heilbronner Meister Hans Seyffer 1507 geschaffen hat.

 

Die Regiswindiskirche ist dem Andenken an die Ortsheilige gewidmet. Regiswindis war Tochter des „Grafen“ Ernst vom (bayerischen) Nordgau. Als Siebenjährige wurde sie – so ihre Lebensbeschreibung – zur Zeit Kaiser Ludwigs des Frommen durch ihre „Amme“ aus Rachsucht ermordet. Da sich bei ihrer Bestattung Wunder ereigneten, wurde sie durch Bischof Humbert von Würzburg kanonisiert; dabei verlegte man ihr Grab vom Friedhof in die Kirche. Bei der Grundsteinlegung des Kirchenneubaus 1227 erhielt die bisherige Martinskirche ihren Namen. Der noch erhaltene Steinsarkophag aus dem Ende des 13. Jahrhunderts steht seit 1882 in der Regiswindiskapelle (s. u.); er ist neben dem steinernen Reliquienschrank im Chor das letzte Zeugnis ihres Kults. Wegen der Regiswindis-Verehrung war Lauffen viel besuchter Wallfahrtsort. Nach der Reformation wurden die Gebeine der Heiligen in den 1540er Jahren entfernt; ihre Verehrung wurde unterbunden.

 

An die im dritten Viertel des 13. Jahrhunderts erbaute quadratische Regiswindiskapelle neben der Pfarrkirche wurde in der Spätgotik nach Osten hin ein Chörlein angebaut. Sie war einst eine der heiligen Anna geweihte Friedhofskapelle; ihre Krypta diente als Beinhaus. Der um die Pfarrkirche gelegene Friedhof wurde nach 1690 aufgehoben. Mit Bewilligung Herzog Ulrichs legten die Lauffener nach 1534 vor dem Talhofener Tor einen neuen Friedhof an (heute: Alter Friedhof).

 

Die im 13. Jahrhundert erbaute Nikolauskapelle im Städtle wurde nach ihrer Profanierung seit 1795 an Martini 1884 als Martinskirche wiedergeweiht, weil man sie für die 822 urkundlich erwähnte Martinskirche hielt. Sie zeichnet sich durch – teilweise zerstörte – mittelalterliche Fresken (vor allem Szenen der Nikolaus-Legende) und einen mächtigen Turm aus. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie schwer getroffen, aber bald wieder hergestellt und bereits 1949 geweiht. – Die 1492 erwähnte Heiligkreuzkapelle vor dem Heiligkreuztor wurde nach der Reformation abgebrochen. Ein 1786/87 im Ablaufkanal der Burgmühle gefundenes romanisches Tympanon mit der Darstellung eines heiligen Bischofs (Martin? Nikolaus? heute im Landesmuseum Württemberg) stammt vermutlich von der ehemaligen Burgkapelle.

 

1459 strebte Graf Ulrich V. die Erhebung der Regiswindiskirche zur Stiftskirche an. Das Projekt scheiterte aus Geldmangel, die bis dahin gestifteten Pfründen blieben bestehen bis zur Aufteilung des kirchlichen Vermögens zwischen (staatlicher) Geistlicher Verwaltung und (kommunalem) Armenkasten 1547. Die zugehörigen Pfründhäuser befanden sich auf dem Kirchberg: Pfarrpfründe, später: Diakonat; Hl. Geistpfründe und Prädikatur, heute Pfarrhaus-Ost; St. Martinspfünde; St. Nikolauspfründe im Dorf; Liebfrauenpfründe; Regiswindispfründe, später Mädchenschule; außerdem das ältere „Almosenhaus“ auf dem Kirchhof, später Deutsche Schule. Neben dem älteren Pfarrhaus stand die um 1491 gegründete, bis 1954 genutzte Lateinschule, Vorläuferin des heutigen Hölderlin-Gymnasiums.

 

Das um 1280 nördlich der Zaber gegründete Dominikanerinnenkloster wurde 1474-1476 auf Anordnung Graf Ulrichs V. durch seinen Baumeister Aberlin Jörg erneuert und den Prämonstratenserinnen aus Kloster Adelberg übergeben. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben. Das Klostergut, seit 1559 Teil des „Gemeinen Kirchenkastens“, bestand jedoch als landwirtschaftlicher Betrieb fort. Seine Verwaltung übernahmen die Klosterhofmeister, zu denen auch der Großvater und der Vater des hier geborenen Dichters Friedrich Hölderlin zählten, dann königliche Hofkameralverwalter, deren erster gleich 1807 die Klosterkirche abbrechen ließ. 1872 ersteigerte Generalmajor von Seeger das Anwesen und schuf ein Weingut mit Lauben und einem Springbrunnen, wofür er die meisten Klostergebäude opferte. Vom Nachfolger von Seegers erwarb Paul Dochtermann 1918 den Besitz „Klostergut-Rosenthal“; er erbaute sich im selben Jahr an der Stelle des Amthauses, das als Geburtshaus des Dichters Hölderlin galt, eine Villa. 1930 musste Dochtermann einen Teil des Anwesens an die Stadt veräußern, 1941 den Rest an den Reichsarbeitsdienst. 1945 wurde die Villa Dochtermann Krankenhaus, 1956 nach einem grundlegenden Umbau als Krankenhaus „Klosterhof“ eingeweiht. 1992 wurde es, wie viele kleinere Krankenhäuser, aufgelöst. An seiner Stelle steht heute ein Seniorenzentrum.

Vom Kloster sind Kreuzgangreste (mit dem Meisterschild Aberlin Jörgs) erhalten, die Paul Dochtermann an die Nordheimer Straße versetzen ließ. Die 1924 an der Stelle der Klosterkirche neu erbaute Kirche (seit 1984 Museum der Stadt Lauffen a. N. mit Hölderlin-Zimmer) enthält Fenster ihrer Vorgängerin. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen als Heimatvertriebene Katholiken nach Lauffen; sie waren anfangs nach Talheim eingepfarrt. 1949 übernahmen sie die bis dahin als Turnhalle genutzte Kirche im Klosterhof und bauten sie um; 1953 wurde diese Maria-Hilf-Kirche geweiht. Seit 1958 ist Lauffen ständige Stadtpfarrei. 1976 erhielt die katholische Kirchengemeinde das Pfarrzentrum St. Paulus in der Schillerstraße, das Gotteshaus und Gemeindesäle miteinander verbindet. Daneben bestehen in Lauffen weitere religiöse Gemeinschaften.

Die 1291 erstmals erwähnte Klostermühle wurde um 1600 aufgegeben. An der Nordheimer Straße 2 steht das Wohngebäude einer 1757 erbauten Säge-, Öl- und Hanfmühle (Haus Godel). Bemerkenswert ist gegenüber das vor 1680 zum Kloster gehörige Haus Nordheimer Straße 5, das 1743-1774 der Familie Hölderlin gehörte (heutiges Gebäude von 1751) und in dem der Dichter als Kind 1772-74 lebte.

Wichtig für württembergische Kirchengeschichte wurde Lauffen durch die Schlacht bei Lauffen am 12. und 13. Mai 1534. Der wegen seiner Übeltaten vertriebene Herzog Ulrich lernte in der Verbannung die Reformation kennen. Mit Hilfe des hessischen Landgrafen Philipp eroberte er sein Land zurück und reformierte nach lutherischem Muster. Zur Erinnerung an diese Schlacht wird seit 1834 in Lauffen alle 50 Jahre ein großes Fest gefeiert, dessen Ausrichtung deutlich zeigt, wie sehr sich die Beurteilung Ulrichs und seiner „Heldentaten“ in den verschiedenen Epochen unterscheidet.

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